1. Februar 2011

Schneeträume & Sonnenbrand

Hallo ihr Lieben,

ich weiß, ich weiß – ich habe viel zu lange nicht geschrieben, aber das lag vor allem daran, dass mir die Fotos für den Blog gefehlt haben, da Philipp die Fotokarten mit sich nach Goa genommen hat und ich sie vorher nicht auf meinen Computer laden konnte. Nicht nur die, aber auch diverse andere Fotos von anderen Kameras.

Kleines Update: Um mal was von der Stadt Hyderabad und meinem Alltag in indischer Umgebung zu schreiben, hab ich eine neue Seite eröffnet, mit ein paar typischen Bildern :-)
Damit ihr auch mal seht, was mich täglich so umgibt. Hoffe, sie gefällt euch! 

Also nochmal, im Kurz-Rundumschlag, wie mein Jahr zu Ende gegangen ist:
Weihnachten waren wir mit Freunden italienisch essen (was hier als absoluter Luxus gezählt wird) – mich hatte es merkwürdigerweise nach dem Nobelessen total umgehauen, also lag ich bis Neujahr mehr oder weniger um, es ging mir aber eigentlich ganz gut dabei, ich konnte mich eben nur nicht wirklich lange von meinem Badezimmer weg bewegen.
Davor haben wir noch die NGO eines Freundes bei einer Weihnachtsaktion für Waisenkinder unterstützt und haben mit ihnen gesungen, Kuchen und Geschenke verteilt, peinliche Weihnachtszipfelmützen getragen und von einem offenen Truck aus fanatische“Merry christmas” zu jedem rufen müssen, der uns passiert hat ;-)
Naja, sehr besinnlich war es nicht, bei 28 Grad mit Mütze durch Hyderabad zu kurven, aber die Kinder waren süß und lustig war es auf jeden Fall.

-Fotos folgen-

An dem Tag wurd ich noch öfters von wildfremden indischen Christen (manchmal sogar mit Handschlag) zu Weihnachten beglückwünscht, weil sie davon ausgegangen sind, dass ich wohl auch Christin sein muss – fand ich sehr witzig. Aber auch andere Inder haben das sehr ernst genommen und mich gewissenhaft per Telefon oder SMS gegrüßt, sehr aufmerksam. Ich glaube für uns paar Ausländer war das alles viel weniger aufregend als für alle anderen ;-)
Ansonsten hatten wir im guesthouse auch ein kleines Weihnachtsfest mit einem jazzigen “Let it snow”, Kunstschnee aus der Dose, Watte-Schneebällen, Süßigkeiten und Bescherung.

-Fotos folgen-

Ich habe ein köstliches Brot geschenkt bekommen (war fast wie ein echtes, ich habe mir mit meiner Brotschmacht wohl doch einen Ruf gemacht, hehe), Schokolade, einen sehr schönen Schal aus Jaipur, indische Süßigkeiten, nette Grußkarten und ein graues Perlenarmband.
Ein tolles Paket von zuhause ist dann etwas später angekommen und auch noch ein paar andere Nettigkeiten aus Deutschland :-)
VIELEN DANK nochmal dafür!!

Neujahr war dann meiner Krankheit entsprechend ein bisschen gemütlicher, ich hab mit ein paar Freunden einen Film geguckt, alkoholfreien, selbstgemachten “Glühwein” getrunken und von hoch oben dann das Feuerwerk betrachtet. Und dann war es auch schon 2011!
Philipp und die meisten anderen Deutschen waren alle in Goa, wo ich aber nicht hinwollte, zur Stoßzeit. Im März reise ich, angefangen in Goa, einmal an der Westküste in den Süden hinab, also wollte ich nicht zweimal hin.

Dafür war ich die letzten 5 Tage dann an der Ostküste und an der Bengalischen Bucht, in der zweitgrößten Stadt des Staates Andhra Pradesh – Vishakapatnam (oder kurz auch Vizag genannt), wo ich dann eine aufkommende Erkältung abschütteln konnte (nachts ist es mir hier zu kalt, blöder Steinboden).
Heller Sand, blaues Meer, Palmen und direkt dahinter hohe Berge – so eine Natur kannte ich gar nicht. Fremdartige Vögel in allen Farben, kleine (äußerst nervige ;-)) Äffchen, Strandhunde- und Kühe, Wassermelonen ohne Ende, friedliche Steilküsten und Buchten... das war doch sehr erholsam.

- Fotos folgen-

Bedanken will ich mich auch nochmal für die vielseitige Unterstützung aus Schneeland, eure Briefe, neugierigen Mails und Fotos freuen mich jedes Mal unheimlich! Auch das regelmäßige Skypen hilft gegen Heimweh, genau so wie dicke Schokoladen- und Teepakete ;-)
Ich kann mir vorstellen, dass das für euch komisch sein muss, wenn ihr mich da so in bunten Klamotten sitzen seht und wie ich von meinem Alltag erzähle, aber glaubt mir, andersherum ist das genau so komisch :D

Meine Fotowand überm Bett - mit euch, euren Karten & Grüßen :-)


Auch habe ich jetzt Hindiuntericht, jeden Abend, fünf Tage die Woche – allerdings ist der Unterricht hier nicht so, wie wir das gewohnt sind. Das Ganze ist mehr so ein Vor- und Nachsagen, Buchstaben abschreiben und Raten. Ich habe mir deshalb angewöhnt, der Lehrererin zu sagen, was ich lernen will, ich gehe also da hin und sage ihr: Ich will wissen, wie man die sechs Verben hier dekliniert, oder Wo setzt man die Fragepronomen hin in der Regel? - dann gehts so einigermaßen.
Wie gut mein Hindi am Ende sein wird, ist eine andere Sache, zu blöd, dass hier einfach alle Englisch sprechen und wenn man dann schon mal ein bisschen Hindi sprechen kann, kommt man eh immer an die Leute, die nur Telugu können (wie fast alle in Rasoolpura) … ;-)

Ach ja, Indien!
Um mal zu zitieren, was mir ein lieber Mensch aus Deutschland auf einen Brief geschrieben hat: “Allem Weh zu Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt!” (H. Hesse) - nirgendwo passt das mehr, als hier.

Zwischendurch war hier dann auch noch Pongal - das Erntefest, das in indischen Städten weniger mit der Ernt, als mit dem Drachenfliegen zu tun hat. Wir wurden von einem Arbeitskollegen nachhause eingeladen, wo wir reichlich versorgt wurden mit einer Art Pudding, die die Pongalspezialität ist und natürlich mit genug anderen Köstlichkeiten. Dann waren wir auf den Häuserdächern unterwegs und haben kleine, meist aus Papier- oder Plastikmüll gebastelte Drachen steigen lassen, die an langen Schnüren an großen Holzrollen hängen. Man versucht dabei, die Schnüre hoch oben in der Luft von anderen Drachen zu kappen und kämpft sozusagen am Himmel um die meisten abgeschnittenen Drachen. Wenn man das geschafft hat, wird gejodelt und gejault, was das Zeug hält - das ist wirklich herrlich anzusehen, wie alle Leute, alte und junge Männer und Kinder allen Alters zusammen auf den Dächern lärmen um ihre Plastikdrachen :-)
Da wird dann getanzt, gehüpft, gejubelt und der Himmel sieht aus, als ob tausende von Tauben ihn bevölkerten. Die müssen sich übrigens auch wundern, was an dem Tag wohl los ist und bleiben lieber in den Bäumen, es gibt nämlich leider auch viele Fälle, wo die Vögel dadurch verletzt werden, da man die Drachenschnüre ja kaum sieht.
Wir standen zwar den ganzen Tag in der Sonne bei 30 Grad, aber das war wirklich mal ein Erlebnis. Besonders bei Sonnenuntergang, wo über den hohen Betonhäusern schwarz gegen das Licht all die Drachen schwirrten. Wunderschön!

Philipp, Daniel, ich, sowie Mutter & Schwester unseres Kollegen Ajays

Die Frauen und Mädchen üben sich an Pongal im Kochen & Dekorieren mit buntem Sand


Am 20. bis zum 27. Januar fand dann auch das Zwischenseminar meiner deutschen Organisation statt und zwar weiter oben im Staat Gujarat, die Stadt heißt Vadodara, wir waren in einer Adhivasi Academy auf dem Land untergebracht. Die Adhivasi sind ein normadischer Volksstamm Indiens, sie gehören zu den ältesten Bewohnern dieses Kontinents. Es gab dort ein kleines Museum über das Leben der Adhivasi, eine gute Bibliothek, eine Schule und Studenten und Studentinnen der Adhivasi Sprachen.
Wir wurden sehr nett versorgt, auch wenn es so gut wie dreimal am Tag Reis gab... puh!
Es war aber echt schön, mal den Austausch mit den anderen Freiwilliegn zu haben und viele bekannte Gesichter wiederzusehen.
Wir waren in der Umgebung wandern, auf dem Berg Koraj, haben uns uralte Höhlenmalereien der Volksstämme aus dem Umland ansehen können, natürlich viel gespielt und eben über uns, unsere Situation, Rolle als Freiwillige, unsere Projekte und Probleme geredet.
Philipp geht auf ein anderes Seminar und ist deshalb gerade in Delhi.

Wandern durch Gujarats Hinterland

Muslimisches Felsgrab

meine Lieblinge

uralte Höhlenmalerei

Pause an den Steinen

Sonnenuntergang über der Academy

Arbeitsmäßig sitze ich weiterhin mit im Planungskomittee der Health Card, momentan kümmern wir uns um indische Funds, Sponsoren und Möglichkeiten, Regierungsgelder zu beziehen, was viel Arbeit am Computer bedeutet und natürlich Treffen mit Leuten, die darin Erfahrung haben, Kontakte knüpfen, Treffen von möglichen Sponsoren, etc.
Desweiteren strukturieren wir das Children's Parliament um, weil wir beschlossen haben, zusammen mit unseren indischen Mitarbeitern, dass das Alter der Gruppe gemischter und im Schnitt auch höher sein sollte. Jeden Sonntag finden dann von 13-17 Uhr zwei Kindergruppensitzungen statt.

Da das aber alles nicht auf regelmäßiger Basis stattfindet, habe ich meinen Vorgänger nochmal angeschrieben, der an einer kleinen Govt. Schule eine Kindergruppe jeden Nachmittag geleitet hat und morgens ansonsten auch des Öfteren im Englischunterricht geholfen hat.
Vielleicht könnte ich etwas ähnliches starten, denn ich würde gerne regelmäßiger arbeiten und nicht jeden Tag ins Office gehen, ohne zu wissen, ob und was eigentlich passieren wird.
Außerdem gibt es in den Govt. Schulen keinen Kunstunterricht und auch sonst keine Möglichkeiten für die Kinder, mal selber etwas zu machen (hier wird meist abgeschrieben und auswendig gelernt).
Ich dachte da also an etwas, wo die Kinder kreativ sein können, Basteln, Malen, Singen, Spielen und so weiter. Das wäre dann immer nachmittags nach der Schule und ich hätte wenigstens auf jeden Fall zwei Stunden jeden Tag eine geregelte Arbeit, plus Vorbereitungszeit und alles andere kann ich ja auch noch nebenher, morgens und danach machen.

Zusätzlich helfe ich noch einem Kollegen mit Aktionen seiner eigenen NGO aus und beteilige mich auch an kulturellen Ereignissen, die von Moving Images, dem Goethe-Institut oder Privatpersonen organisiert werden. Ganz zu schweigen von Aktionen, die noch innerhalb Rasool Puras stattfinden, wie der Internationale Frauentag am 8.März.

Also ihr seht, es geht mir gut und irgendwie passiert dann doch immer so viel, dass man am Ende wieder nicht dazu kommt, seine Abrechnungen zu machen ;-) Und Reiseplanung in Indien kann auch echt anstrengend sein - die Entfernungen sind einfach gewaltig, irgendwie vergisst man das gerne... fällt einem dann aber wieder ein, wenn man 31 Stunden mit dem Zug unterwegs war!
Ich werde dann also viel im März und April unterwegs sein (und wahrscheinlich wieder nicht so regelmäßig schreiben - Asche auf mein Haupt!) 

So und jetzt schicke liebste Grüße aus dem sonnigen Indien und entschuldige mich nochmal für den unfertigen Post, ich wollte nur mal wieder was gesagt haben - die Bilder kommen dann noch.

1 Kommentar:

  1. Bin gespannt aufg die Fotos :-)
    Interessanter, umfangreicher Bericht!
    Liebe Grüße und Kussi
    Mama

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