18. April 2011

Goodbye Blog!


Nun sind es schon 8 Monate! 
Ich habe zwar noch einige Zeit vor mir, aber dennoch beschlossen, diesen Blog zu beenden. Ich habe über facebook besser und einfacher die Möglichkeit, euch auf dem Laufenden zu Halten und gleichzeitig mehr Privatsphäre (so paradox das gerade auch klingen mag ;) ). Außerdem denke ich, habe ich genug geschrieben über Indien und mein Leben hier.

Wie beendet man also einen Blog? Was sage ich abschließend über meine bisher verbrachte Zeit hier?

Indien hat mich definitiv verändert.
All die Tage hier haben mich vieles realisieren lassen: wie flexibel der Mensch ist, wie schwerwiegend man von der eigenen Kultur jederzeit und unterbewusst beeinflusst wird, wie es ist, die falsche Hautfarbe zu haben, wie es ist, privilegiert zu werden, wegen der Herkunft, aber auch, wie es ist, aufgrund von Alter und Geschlecht systematisch diskriminiert zu werden, wie es ist, wenn deine persönlich gezogenen Grenzen verletzt werden, wie es ist, hilflos zu sein, wie es sich anfühlt, Armut jeden Tag zu begegnen, was globale Verantwortung bedeutet, was für einen gewaltigen Schaden Religion anrichten kann und es auch ziemlich oft tut, was Gastfreundschaft bedeutet und wie Lebensfreude vor niemanden, egal unter welchen Umständen, Halt macht, wie Hoffnung aussieht und wie Korruption funktioniert, wie es sich anfühlt, unverstanden zu sein, wie unfassbar gut ich es in Deutschland doch habe, was es heißt, über dein eigenen Schatten zu springen, wieder und wieder, was für eine unbeschreibliche Vielfalt Indien in jeder Hinsicht beherbergt, wie schwer es alternativ denkende InderInnen in ihrem eigenen Land haben, was Kolonialisierung für einen Schaden angerichtet hat und weiterhin anrichtet, was ein historisches Gedächtnis der Gesellschaft bedeutet, wie Deutschland hier gesehen wird, was es heißt, eine Kindheit in Indien zu haben, was ich für meine Verantwortung achte und was nicht und noch vieles mehr...
Und vielleicht, irgendwie, habe ich auch Indien ein kleines bisschen verändert.

Indien ist für viele schockierend, spannend, witzig, irgendwie mysteriös. Ein Land, in dem man sich über himmelschreiend korrupte Polizisten ärgert und gleichzeitig über die unfassbare Großzügigkeit seiner Gastgeber freut.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alles, was wir sehen, durch unsere eigenen Augen sehen und das alles, was wir tun, durch unsere kulturelle und soziale Prägung tun. Es gibt nichts, was wir nicht vor diesem Hintergrund beurteilen, selbst wenn wir versuchen, es nicht zu tun. Ich habe selber erfahren müssen, wie unmöglich es ist, Sachen jederzeit nur neutral zu sehen.

Ich werde es nie akzeptieren können, wenn Leute von ihrem Roller steigen, um einen halben Meter neben dem Gehweg an die Wand zu pinkeln. Dieser Widerwille ist einfach zutiefst in meinem Verständnis von Anstand verankert und sollte meiner Meinung menschliches Grundverständnis sein. Warum? Weil ich aus einem kleinen reichen Land komme, das seine Leute im Großen und Ganzen mit fast allen Grundbedürfnissen absichern kann.
Nicht so in Indien. Anders geprägt - andere Bewertung.
Sicherlich kann man das nicht verallgemeinern. Viele InderInnen verurteilen dieses Verhalten ja selber, aber es ist trotzdem bezeichnend.
Genau so wie das - meinem Empfinden nach - unhöfliche, direkte Anstarren, das trotz – meiner Meinung - klarer Signale fortgesetzt wird. Werde ich nie akzeptieren können, auch wenn ich weiß, es ist nicht böse gemeint. Trotzdem macht es mich wütend – warum? Weil ich es nicht gewöhnt bin. Weil ich aus einem Land komme, das Diskretion und Anonymität schätzt und wo ich eine ganz normal aussehende Bürgerin bin. - Nicht so hier.

All diese Dinge, kann man aber den Leuten hier wirklich nicht vorwerfen und aus diesem Wissen und dem eigenen Fühlen ergibt sich natürlich öfters ein Spannungsverhältnis. Letztendlich ist es ja meine eigene Unfähigkeit, bestimmte Dinge nicht akzeptieren zu können, die diese Spannung auslöst. Man muss lernen, nicht zu streng mit sich zu sein: Es ist okay, wenn man nicht immer mit allem klar kommt. Alles andere würde an Selbstaufgabe grenzen und ist nicht der Sinn kultureller Erfahrungen oder Anpassung. Auch das habe ich hier gelernt. Und es ist ja nicht so, als ob ich es mir nicht ausgesucht hätte, hierher zu kommen. 

Man lernt vieles, gewöhnt sich an vieles, aber an einiges eben nicht.
Und genau so geht das aber auch im Positiven: Wie werde ich die StraßenverkäuferInnen vermissen, die dir für 80 cent eine frische Ananas aufbereiten, die praktischen Rickshaws, die immer da sind, die unverbindlichen Freundlichkeiten, die einem einfach auf der Straße begegnen, die Hilfsbereitschaft und die schöne Natur, die Kokosnüsse, Momos, Mangos, Naans und Samosas, die wunderschönen bunten Stoffe, Schals, Armreife und die vielen großartigen Bauwerke.
Indien hat eine faszinierende Geschichte und etliche Zeugen dessen. Eine spannende alternative Film- und Kunstkultur und nun ja, auch die einmalige Bollywoodindustrie ;-)

Noch nie in meinem Leben, ist es mir so schlecht gelungen, jemanden zu begreifen, wie bei meinem Rendezvous mit Indien – und das ist ein Kompliment. Dieses Land lässt sich nicht reduzieren, vereinfachen oder zusammenfassen. Es ist von der einen Seite zur anderen einfach nicht dasselbe und von Haustür zu Haustür triffst du unterschiedliche Traditionen.

Ich hatte harte Zeiten und krasse Erlebnisse, aber auch unheimlich viele schöne, ich will diese Zeit hier nicht missen und habe am Ende vor allem davon profitiert.
Ich habe vieles besser verstanden, ich werde anders leben in Deutschland, als zuvor und ich werde anders reden über abstrakte Begriffe wie „Schwellenland“, oder „Armut“, die den meisten von uns in der Realität unbekannt sind. Ich bin mitnichten plötzlich eine Art „Profi“, wenn es um solche Themen oder Indien an sich geht. Aber ich habe bestimmt eine andere Sicht darauf gewonnen, als jemand, der noch nie in Indien gewesen ist.

Wie kann ich noch betonen, was Indien mir bedeutet? Was dieses Jahr hier verändert hat?
Ich glaube, ich kann die meisten meiner Erfahrungen nicht mit euch teilen, wie auch? Sie müssen gemacht werden, um verstanden zu sein.

Ich kann bloß anhalten dazu, genauer hinzusehen, sich nicht hinreißen zu lassen, die Sachen einfacher zu machen als sie sind, zu sehen, wie wertvoll der Austausch der Kulturen ist, nachzuvollziehen, was wir in Europa für eine Verantwortung haben für das Leben anderer Menschen und den Spaß daran zu erkennen, auf einem anderen Kontinent die eigene Welt ganz neu zu entdecken.
Es lebe die Neugier! Jeder, der diese Chance hat, sollte sie meiner Meinung nach auch nutzen – immerhin sind wir ja nicht alleine auf der Welt und die eigene Erfahrung ist besser, als alles, was man lesen oder sich erzählen lassen kann.

Ich möchte es, mal wieder, in den Worten meines liebsten Dichters sagen:

„Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen.
Wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht.“ - Goethe

Und jetzt möchte ich mich bedanken, bei allen, die so fleißig mitgelesen und kommentiert haben. Eure Unterstützung hat mir zu jeder Zeit sehr viel gegeben und mir geholfen, auch in schweren Zeiten fröhlich zu bleiben.

Von nun an müsst ihr auf Rundmails hoffen und mich auf facebook suchen gehen ;-)

Ein letztes Mal noch alles Liebe aus Hyderabad,
eure Tanja

24. März 2011

20 Tage Südindien

Hey ihr Lieben,

es wird Zeit mal wieder ein bisschen was zu bloggen, wo sicherlich nicht alle meine Reise auf facebook verfolgen konnten. Es hat ja nicht jeder seine Seele ans Internet verkauft... aber ich muss sagen, so über die Kontinente erweist sich diese Plattform als wesentlich praktischer als alle anderen ;-)
Genau dort findet ihr auch ein Fotoalbum von meiner Reise, also werde ich auch nicht allzu viele hier zeigen.

Gestern habe ich meinen Mitreisenden zum Flughafen gebracht, es war echt toll, mal wieder jemanden von zuhause bei sich zu haben, hat die Trennung aber nicht gerade leichter gemacht. Ich muss wirklich mal ein Lob aussprechen - er hat sich gut an Indien gewöhnt, trotz Sonnenbrand und impertinentem Angestarrtwerden und hat geduldig jede zu kleine Klapper-Rickshaw, jeden zu kleinen Zug, alle zu kleinen Hotelzimmer und natürlich die vielen hinaufschauenden, sichtlich aufgeregten Inder hingenommen. Es war nicht immer einfach, nach dem eine Millionen hunderttausendstem Mal noch freundlich zu bleiben, wenn einem ein "where are you from?" oder ein "photo please" entgegengebracht wird. Aber naürlich sollte man das nicht persönlich nehmen. Wir hatten auch viele schöne, überraschende und sehr nette Begegnugen mit einer überall recht freundlichen, neugierigen und offenen Bevölkerung.

Gewöhnungsbedürftig sind allerdings überall die hygienischen Zustände, immer dieses auf den Boden spucken, überall öffentlich an die Straßenecken, Bushaltestellen oder Wände pinkeln, dass man als Weiße nahezu grundsätzlich überteuerte Preise bekommt und immer hart feilschen muss und generell öfters mal für ahnungslos und ein einfaches Opfer gehalten wird. Wenn man dann allerdings schonmal etwas traditioneller gekleidet ist und in Hindi antwortet und klar macht, dass man kein Indien-Neuling mehr ist, ändert sich das meist ganz schnell.
Wir haben auch die Bekanntschaft von vielen anderen Leuten aus aller Welt gemacht, von denen wir viele spannende Sachen erfahren haben. Es war wirklich interessant, die ganzen Nationen so vor sich zu haben, ihre Interessen, Gesprächsthemen, Selbstauffassung.
Besonders oft haben wir Briten und Deutsche gesehen, dann einige Franzosen, Spanier und sogar ein nettes Schweden-Pärchen :-)
In Goa haben wir noch ziemlich viele Russen und Amerikaner getroffen. Allerdings hatte die Gegend auch nicht mehr viel von Indien, muss man leider dazu sagen.

Übrigens haben wir rund 14 Karten nach Deutschland geschickt, in großen groben Umschlägen, damit sie es überleben ;-) Bin mal gespannt, wann ich von wem was höre bezüglich angekommener Post!

Insgesamt hat uns unser Urlaub sehr gut gefallen, Indien ist ein unheimlich faszinierendes Land und wir kommen gerne wieder, auch wenn es sicherlich noch viel zu viele schöne Orte auf der Welt gibt, die wir noch bereisen wollen.
Besonders gut hat uns Ooty gefallen -die ehemalige hillstation in den Nilgirihills auf 3000m Höhe - weil es so sauber und schön grün war. Es ist aber nunmal eine sehr reiche Stadt und die gute Infratstruktur stammt noch aus Kolonialzeiten. Dafür ist sie aber auch für indische Verhältnisse eine recht teure Stadt und wie wir fanden, erstaunlich untouristisch (wir haben eigentlich nur indische Touristen und kaum ausländische getroffen- wir waren aber auch nicht in der Saison da).


Goa hat mit den Temperaturen und dem Arabischen Meer wirklich einen traumhaften Strand, ist aber völig überflutet von Touristen oder ansässig gewordenen ehemaligen Touristen. Ist schon ein bisschen anstrengend, wenn die Straßenschilder plötzlich auf Russisch geschrieben sind... wenn mann allerdings tief im Süden oder hoch im Norden irgendwo eine versteckte Bucht und einen ruhigen Strand für sich findet, ist Goa kaum zu toppen! Dazu gibt es in Goa viel Kultur zu sehen, uralte Kirchen und Tempel- wir hatten ein tolles Programm zusammen mit meinem Onkel, wo wir auch eine spice farm besucht haben. Wir waren also da, wo der Pfeffer wächst ;-)



Mysore konnten wir uns nicht sonderlich lang ansehen, nicht destotrotz fanden wir es sehr schön, auch diese Stadt fand ich für eine indische Großstadt ziemlich grün und sauber und recht gut strukturiert. Natürlich gibt es auch hier viel Standart-Tourismusgeschäft, aber so ist das eben in bekannten Städten. Der Palast des Maharajas ist umwerfend kunstfertig und kombiniert viele Stile zu einem einzigartigen Meisterwerk, das man stundenlang betrachten und analysieren könnte. Überall sind Geschichten, Anekdoten, Anspielungen und große Bilder als Zeitzeugen versteckt. Dieser Stil ist mir so fremd gewesen und ich habe ja nun wirklich schon viele Schlösser und Paläste in Europa gesehen - deshalb ist er auch so faszinierend.



Unsere Reise von Ooty nach Kochi haben wir über mehrere kleiner Städte mit dem Toytrain zurückgelegt, einer kleinen Lok, die aussieht wie eine Spielzeugeisenbahn, fast genau so langsam ist und zum Unesco-Welterbe erklärt wurde. Ist nett, wenn man Fotos machen will.
In Kochi haben wir uns das berühmte Kathakali-Theater erklären lassen und angesehen. Wieder etwas so fremdes! Es erinnerte mich ein bisschen an das traditionelle japanische Theater, aber ich bin auch wirklich keiner Kennerin. Es hat irgendwie etwas sehr rituelles, intimes an sich, diese ganze Prozedur vom Schminken der Maske bis zur Aufführung zu beobachten und hat uns sehr Spaß gemacht.



In Kochi waren wir auch viel am Hafen, einkaufen, mit den Fähren zu den Halbinseln unterwegs, im portugiesischen Palast und sind dann weiter nach Alleppey, unserem letzten Reiseziel.
Hier haben wir in unserer eigenen Steinhütte in einem Palmenwäldchen entspannt, in Hängematten geschlafen, sind auf den backwaters unterwegs gewesen, mit dem Fahrrad zum Strand gefahren und haben uns vom vielen Reisen erholt.

Ich könnte jetzt noch viel schreiben, aber ich habe nur noch wenig Zeit vor meiner nächsten großen Reise in den Norden. Dort bin ich dann etwas länger als 2 Wochen mit Bruder und Schwester auf einer recht klassischen Route unterwegs: Delhi, Amritsar, Jaipur, Jaislamer, Agra, Varanasi.

Danach bin ich wieder mal etwas in Hyderabad, obwohl ich sagen muss, dass es mir auch einfach zu heiß wird... das ging unglaublich schnell! Noch vor meiner Abreise war alles wie immer und kaum 3 Wochen später hält man es ohne dauerhaft voll aufgedrehten Ventialtor und 2 Mal duschen am Tag nicht mehr aus.
Also versuche ich, möglichst wenig hier unten zu sein und werde nicht viel später gegen Mai wieder hoch, diesmal den Nordosten Indiens erkunden. Darjeeling auf jeden Fall, dann vielleicht etwas wandern oder klettern und noch ein paar andere Städte, je nachdem was mein Reisebegleiter aus Delhi noch so vor hat :-)
Und wenn ich schon da oben bin, würde ich gerne noch einem Ashram in Rishikesh einen Besuch abstatten und dort vielleicht 2,3 Wochen unterkommen. 3 Stunden Yoga am Tag, schön in den Bergen spazieren gehen und entspannen... ich glaube, das ist dann genau das Richtige nach dem ganzen Herumgereise ;-)

 Und jetzt verabschiede ich mich schon wieder, es warten nämlich noch Berge von Handwäsche auf mich.

Liebste Grüße aus Indien,
eure Tanni 

28. Februar 2011

Zwischenbericht

Hallo ihr Lieben,


wollte mich nur noch mal gemeldet haben, bevor ich erstmal für eine ganze Weile verschwinde ;-)
Anfang März bis Mitte April werde ich mit allerlei Leuten aus Deutschland auf Reise durch Indien sein und mir sowohl den Süden, als auch den Norden dieses spannenden Landes ansehen! Darauf freue ich mich schon seit Wochen unheimlich :-)
Ich werde aber wahrscheinlich nicht regelmäßig ans Internet kommen können, deshalb nicht wundern, wenn ich nicht immer zurückschreibe oder erst später reagiere. Ich werde aber natürlich versuchen, hier oder auf meinem facebook Profil ein paar Bilder hochzuladen und euch so auf dem Laufenden zu halten!


Ich vermisse übrigens nicht nur das kalte Wetter, sondern auch euch alle zuhause! Vielen Dank noch einmal für die viele Post, Pakete, Briefe und was noch so bei mir immer mal wieder ankommt. Auch eure Kommentare bei facebook tun gut, irgendwie ist das doch praktisch, dann ist man oft in Kontakt und nicht so raus aus der Welt. Ich hör doch gern und oft von zuhause (ich kann nicht fassen, wie groß die zwei kiddies schon geworden sind!) und seh das ein oder andere Foto auf irgendwens Pinnwand ;-)
Danke auch für die finanzielle Unterstützung, muss einfach nochmal gesagt werden, damit ich hier so viel erleben und reisen kann! 


Ansonsten ist meine Organisation hier zwar ziemlich chaotisch und gibt uns nicht wirklich viel zu tun, aber wir suchen uns unsere Arbeit schon.
So arbeite ich immer wieder mal für die Kultur- und Filmorganisation Moving Images, die viele gute, kritische Filme präsentieren und Kulturevents wie Lesungen und ähnliches veranstalten.
So bin ich bei der Filmvorstellung des großartigen, indischen Filmemachers “Onir”, der in seinem neuen Film die Tabuthemen der indischen Gesellschaft porträtiert, doch tatsächlich in einer der Lokalzeitungen hier gelandet! Ich war zwar nur zuständig für die Mitglieder, Gäste, und Presseregistrierung und eigentlich unheimlich beschäftigt, aber irgendwie wurde ich dabei ständig fotografiert... wurde wohl für eine VIP gehalten, deswegen ist “Tanja Merkal from Germany” jetzt inklusive Foto auf Seite 3 zu finden, haha!

Ansonsten habe ich mit meiner Mitbewohnerin Lindsay einer Buchlesung für Kinder organisiert, mit Malen und Basteln und allem, was eben so dazu gehört und arbeite nebenher natürlich noch weiter fleißig an dem Healthcard Projekt, für das wir jetzt erste proposals schreiben und uns mit den Sponsoren treffen.





Des Weiteren steht ja auch bald der International Women's Day an, für den wir auch schon planen und Unternehmerinnen, Autorinnen und andere tolle Frauen ins Bhumi-Zentrum nach Rasoolpura organisieren. Wir möchten einen schönen Tag für die Frauen aus dem Slum organisieren, an dem ein Film gezeigt werden soll, trainings durchgeführt werden und an dem Zeit und Raum für ihre Fragen und Ideen ist.

Und ich habe noch so viele andere Ideen und Organisationen im Kopf, mit denen ich etwas machen möchte. Hier ist doch viel los in Hyderabad, ich habe mittlerweile auch etliche Kontakte geknüpft und ich freue mich eigentlich so freie Hand zu haben in meiner Arbeitsgestaltung.
Ich habe dadurch wirklich gelernt, selbstständig Sachen in die Hand zu nehmen und bin überrascht, wieviele erfolgreiche Aktionen so schon entstanden sind. 


Das ist Hyderabad - modern und... unfassbar altmodisch gleichzeitig ;-)


Religion ist allgegenwärtig


... und Rickshaws natürlich!


Ansonsten ist mein Kollege auch wieder zurück und wir waren allesamt sowohl ein paar Mal im Kino, auf Feiern und Veranstaltungen des Goethe-Zentrums und der Alliance Francaise, diversen Geburtstagen, als auch auf einer tollen Ballettvorstellung, organisiert vom amerikanischen Konsulat, sowie auf dem Times of India Food Award Event, bei dem es unfassbar viel gutes Essen inklusive drinks umsonst gab und von dem wir jetzt noch alle schwärmen ;-)


Taylor 2 - aus den USA, sehr toll!


Ansonsten wollen wir uns heute noch eine warme Umarmung von "Amma" holen- die Frau ist es wert, gegoogelt zu werden, wer mehr wissen will. Man nennt sie auch den "Hugging Saint" und sie hat einen Ashram in gehbarer Nähe zu unserem Haus, oben auf dem Berg.
Sie umarmt Menschen überall auf der Welt... nicht, dass ich an irgendetwas magisches oder religiöses in dieser Hinsicht ernsthaft glauben würde, aber ich finde doch es ist eine sehr nette Geste und sagt mehr, als überall auf der Welt nur zu vorzusprechen. Warum nicht einfach mal alle umarmen? :-)
Ich kann ja mal nachher sagen, wie es war (oder ob es überhaupt geklappt hat, weil wohl hunderte von Leuten da zugegen sein sollen und es ewig dauern soll, man muss da so eine Nummer ziehen und kann schonmal bis 5 Uhr morgens anstehen...).


Also, mir geht es gut, es ist viel los hier und ich schicke warme Grüße aus dem langsam schon zu warm werdenden Indien ;-)
Eure Tanni 

1. Februar 2011

Schneeträume & Sonnenbrand

Hallo ihr Lieben,

ich weiß, ich weiß – ich habe viel zu lange nicht geschrieben, aber das lag vor allem daran, dass mir die Fotos für den Blog gefehlt haben, da Philipp die Fotokarten mit sich nach Goa genommen hat und ich sie vorher nicht auf meinen Computer laden konnte. Nicht nur die, aber auch diverse andere Fotos von anderen Kameras.

Kleines Update: Um mal was von der Stadt Hyderabad und meinem Alltag in indischer Umgebung zu schreiben, hab ich eine neue Seite eröffnet, mit ein paar typischen Bildern :-)
Damit ihr auch mal seht, was mich täglich so umgibt. Hoffe, sie gefällt euch! 

Also nochmal, im Kurz-Rundumschlag, wie mein Jahr zu Ende gegangen ist:
Weihnachten waren wir mit Freunden italienisch essen (was hier als absoluter Luxus gezählt wird) – mich hatte es merkwürdigerweise nach dem Nobelessen total umgehauen, also lag ich bis Neujahr mehr oder weniger um, es ging mir aber eigentlich ganz gut dabei, ich konnte mich eben nur nicht wirklich lange von meinem Badezimmer weg bewegen.
Davor haben wir noch die NGO eines Freundes bei einer Weihnachtsaktion für Waisenkinder unterstützt und haben mit ihnen gesungen, Kuchen und Geschenke verteilt, peinliche Weihnachtszipfelmützen getragen und von einem offenen Truck aus fanatische“Merry christmas” zu jedem rufen müssen, der uns passiert hat ;-)
Naja, sehr besinnlich war es nicht, bei 28 Grad mit Mütze durch Hyderabad zu kurven, aber die Kinder waren süß und lustig war es auf jeden Fall.

-Fotos folgen-

An dem Tag wurd ich noch öfters von wildfremden indischen Christen (manchmal sogar mit Handschlag) zu Weihnachten beglückwünscht, weil sie davon ausgegangen sind, dass ich wohl auch Christin sein muss – fand ich sehr witzig. Aber auch andere Inder haben das sehr ernst genommen und mich gewissenhaft per Telefon oder SMS gegrüßt, sehr aufmerksam. Ich glaube für uns paar Ausländer war das alles viel weniger aufregend als für alle anderen ;-)
Ansonsten hatten wir im guesthouse auch ein kleines Weihnachtsfest mit einem jazzigen “Let it snow”, Kunstschnee aus der Dose, Watte-Schneebällen, Süßigkeiten und Bescherung.

-Fotos folgen-

Ich habe ein köstliches Brot geschenkt bekommen (war fast wie ein echtes, ich habe mir mit meiner Brotschmacht wohl doch einen Ruf gemacht, hehe), Schokolade, einen sehr schönen Schal aus Jaipur, indische Süßigkeiten, nette Grußkarten und ein graues Perlenarmband.
Ein tolles Paket von zuhause ist dann etwas später angekommen und auch noch ein paar andere Nettigkeiten aus Deutschland :-)
VIELEN DANK nochmal dafür!!

Neujahr war dann meiner Krankheit entsprechend ein bisschen gemütlicher, ich hab mit ein paar Freunden einen Film geguckt, alkoholfreien, selbstgemachten “Glühwein” getrunken und von hoch oben dann das Feuerwerk betrachtet. Und dann war es auch schon 2011!
Philipp und die meisten anderen Deutschen waren alle in Goa, wo ich aber nicht hinwollte, zur Stoßzeit. Im März reise ich, angefangen in Goa, einmal an der Westküste in den Süden hinab, also wollte ich nicht zweimal hin.

Dafür war ich die letzten 5 Tage dann an der Ostküste und an der Bengalischen Bucht, in der zweitgrößten Stadt des Staates Andhra Pradesh – Vishakapatnam (oder kurz auch Vizag genannt), wo ich dann eine aufkommende Erkältung abschütteln konnte (nachts ist es mir hier zu kalt, blöder Steinboden).
Heller Sand, blaues Meer, Palmen und direkt dahinter hohe Berge – so eine Natur kannte ich gar nicht. Fremdartige Vögel in allen Farben, kleine (äußerst nervige ;-)) Äffchen, Strandhunde- und Kühe, Wassermelonen ohne Ende, friedliche Steilküsten und Buchten... das war doch sehr erholsam.

- Fotos folgen-

Bedanken will ich mich auch nochmal für die vielseitige Unterstützung aus Schneeland, eure Briefe, neugierigen Mails und Fotos freuen mich jedes Mal unheimlich! Auch das regelmäßige Skypen hilft gegen Heimweh, genau so wie dicke Schokoladen- und Teepakete ;-)
Ich kann mir vorstellen, dass das für euch komisch sein muss, wenn ihr mich da so in bunten Klamotten sitzen seht und wie ich von meinem Alltag erzähle, aber glaubt mir, andersherum ist das genau so komisch :D

Meine Fotowand überm Bett - mit euch, euren Karten & Grüßen :-)


Auch habe ich jetzt Hindiuntericht, jeden Abend, fünf Tage die Woche – allerdings ist der Unterricht hier nicht so, wie wir das gewohnt sind. Das Ganze ist mehr so ein Vor- und Nachsagen, Buchstaben abschreiben und Raten. Ich habe mir deshalb angewöhnt, der Lehrererin zu sagen, was ich lernen will, ich gehe also da hin und sage ihr: Ich will wissen, wie man die sechs Verben hier dekliniert, oder Wo setzt man die Fragepronomen hin in der Regel? - dann gehts so einigermaßen.
Wie gut mein Hindi am Ende sein wird, ist eine andere Sache, zu blöd, dass hier einfach alle Englisch sprechen und wenn man dann schon mal ein bisschen Hindi sprechen kann, kommt man eh immer an die Leute, die nur Telugu können (wie fast alle in Rasoolpura) … ;-)

Ach ja, Indien!
Um mal zu zitieren, was mir ein lieber Mensch aus Deutschland auf einen Brief geschrieben hat: “Allem Weh zu Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt!” (H. Hesse) - nirgendwo passt das mehr, als hier.

Zwischendurch war hier dann auch noch Pongal - das Erntefest, das in indischen Städten weniger mit der Ernt, als mit dem Drachenfliegen zu tun hat. Wir wurden von einem Arbeitskollegen nachhause eingeladen, wo wir reichlich versorgt wurden mit einer Art Pudding, die die Pongalspezialität ist und natürlich mit genug anderen Köstlichkeiten. Dann waren wir auf den Häuserdächern unterwegs und haben kleine, meist aus Papier- oder Plastikmüll gebastelte Drachen steigen lassen, die an langen Schnüren an großen Holzrollen hängen. Man versucht dabei, die Schnüre hoch oben in der Luft von anderen Drachen zu kappen und kämpft sozusagen am Himmel um die meisten abgeschnittenen Drachen. Wenn man das geschafft hat, wird gejodelt und gejault, was das Zeug hält - das ist wirklich herrlich anzusehen, wie alle Leute, alte und junge Männer und Kinder allen Alters zusammen auf den Dächern lärmen um ihre Plastikdrachen :-)
Da wird dann getanzt, gehüpft, gejubelt und der Himmel sieht aus, als ob tausende von Tauben ihn bevölkerten. Die müssen sich übrigens auch wundern, was an dem Tag wohl los ist und bleiben lieber in den Bäumen, es gibt nämlich leider auch viele Fälle, wo die Vögel dadurch verletzt werden, da man die Drachenschnüre ja kaum sieht.
Wir standen zwar den ganzen Tag in der Sonne bei 30 Grad, aber das war wirklich mal ein Erlebnis. Besonders bei Sonnenuntergang, wo über den hohen Betonhäusern schwarz gegen das Licht all die Drachen schwirrten. Wunderschön!

Philipp, Daniel, ich, sowie Mutter & Schwester unseres Kollegen Ajays

Die Frauen und Mädchen üben sich an Pongal im Kochen & Dekorieren mit buntem Sand


Am 20. bis zum 27. Januar fand dann auch das Zwischenseminar meiner deutschen Organisation statt und zwar weiter oben im Staat Gujarat, die Stadt heißt Vadodara, wir waren in einer Adhivasi Academy auf dem Land untergebracht. Die Adhivasi sind ein normadischer Volksstamm Indiens, sie gehören zu den ältesten Bewohnern dieses Kontinents. Es gab dort ein kleines Museum über das Leben der Adhivasi, eine gute Bibliothek, eine Schule und Studenten und Studentinnen der Adhivasi Sprachen.
Wir wurden sehr nett versorgt, auch wenn es so gut wie dreimal am Tag Reis gab... puh!
Es war aber echt schön, mal den Austausch mit den anderen Freiwilliegn zu haben und viele bekannte Gesichter wiederzusehen.
Wir waren in der Umgebung wandern, auf dem Berg Koraj, haben uns uralte Höhlenmalereien der Volksstämme aus dem Umland ansehen können, natürlich viel gespielt und eben über uns, unsere Situation, Rolle als Freiwillige, unsere Projekte und Probleme geredet.
Philipp geht auf ein anderes Seminar und ist deshalb gerade in Delhi.

Wandern durch Gujarats Hinterland

Muslimisches Felsgrab

meine Lieblinge

uralte Höhlenmalerei

Pause an den Steinen

Sonnenuntergang über der Academy

Arbeitsmäßig sitze ich weiterhin mit im Planungskomittee der Health Card, momentan kümmern wir uns um indische Funds, Sponsoren und Möglichkeiten, Regierungsgelder zu beziehen, was viel Arbeit am Computer bedeutet und natürlich Treffen mit Leuten, die darin Erfahrung haben, Kontakte knüpfen, Treffen von möglichen Sponsoren, etc.
Desweiteren strukturieren wir das Children's Parliament um, weil wir beschlossen haben, zusammen mit unseren indischen Mitarbeitern, dass das Alter der Gruppe gemischter und im Schnitt auch höher sein sollte. Jeden Sonntag finden dann von 13-17 Uhr zwei Kindergruppensitzungen statt.

Da das aber alles nicht auf regelmäßiger Basis stattfindet, habe ich meinen Vorgänger nochmal angeschrieben, der an einer kleinen Govt. Schule eine Kindergruppe jeden Nachmittag geleitet hat und morgens ansonsten auch des Öfteren im Englischunterricht geholfen hat.
Vielleicht könnte ich etwas ähnliches starten, denn ich würde gerne regelmäßiger arbeiten und nicht jeden Tag ins Office gehen, ohne zu wissen, ob und was eigentlich passieren wird.
Außerdem gibt es in den Govt. Schulen keinen Kunstunterricht und auch sonst keine Möglichkeiten für die Kinder, mal selber etwas zu machen (hier wird meist abgeschrieben und auswendig gelernt).
Ich dachte da also an etwas, wo die Kinder kreativ sein können, Basteln, Malen, Singen, Spielen und so weiter. Das wäre dann immer nachmittags nach der Schule und ich hätte wenigstens auf jeden Fall zwei Stunden jeden Tag eine geregelte Arbeit, plus Vorbereitungszeit und alles andere kann ich ja auch noch nebenher, morgens und danach machen.

Zusätzlich helfe ich noch einem Kollegen mit Aktionen seiner eigenen NGO aus und beteilige mich auch an kulturellen Ereignissen, die von Moving Images, dem Goethe-Institut oder Privatpersonen organisiert werden. Ganz zu schweigen von Aktionen, die noch innerhalb Rasool Puras stattfinden, wie der Internationale Frauentag am 8.März.

Also ihr seht, es geht mir gut und irgendwie passiert dann doch immer so viel, dass man am Ende wieder nicht dazu kommt, seine Abrechnungen zu machen ;-) Und Reiseplanung in Indien kann auch echt anstrengend sein - die Entfernungen sind einfach gewaltig, irgendwie vergisst man das gerne... fällt einem dann aber wieder ein, wenn man 31 Stunden mit dem Zug unterwegs war!
Ich werde dann also viel im März und April unterwegs sein (und wahrscheinlich wieder nicht so regelmäßig schreiben - Asche auf mein Haupt!) 

So und jetzt schicke liebste Grüße aus dem sonnigen Indien und entschuldige mich nochmal für den unfertigen Post, ich wollte nur mal wieder was gesagt haben - die Bilder kommen dann noch.