So- jetzt endlich mal ausführlicher. Wir sind jetzt den vierten Tag hier und bereits einmal umgezogen, es ist natürlich nicht alles schön nach Plan gelaufen, aber tragisch ist es auch nicht, ich muss sagen, ich fühle mich sehr wohl in Indien, keine Angst, keine Ungewissheiten, ich glaube wir beide – mein Kollege und ich – sind ganz entspannt.
Also es hat damit angefangen, dass unser Chef bei Bhumi uns irgendwie vergessen hat, weshalb wir am Flughafen herumstanden und durch die Hilfe selbstloser Inder in ein Taxi zum office verfrachtet wurden ;) Dann haben wir erfahren, dass unser Chef für die nächste Woche im Urlaub ist- auch nicht so ideal. Aber trotzdem ist er sehr nett und gutherzig gewesen, die halbe Stunde, die wir ihn gesehen haben, so wie alle Leute hier im office sehr nett sind.
Das ist das erste Bild was ich hier gemacht habe: Philipp mit unserem Frühstück, idli (schreibt man die so?) mit chutney. Sehr lecker! Im Hintergrund seht ihr das, wo ich eine Nacht drin geschlafen habe. Philipps Zimmer war ein Schulraum, vor dem jeden Morgen die Kinder mit Behinderungen betreut werden. Also eigentlich waren das nicht wirklich Zimmer, sondern Arbeitsräume, die Wände sind unten auch etwas geschimmelt und ein Bad gab es nicht (nur ein Loch im Boden und eine Öffnung, aus der Leitungswasser kam- unsere „Dusche“). Wir haben relativ bald für uns entschieden, dass wir dort nicht dauerhaft bleiben können.
Ich kam mir etwas blöd vor, gleich am ersten Tag was anderes zu machen, vor allem, weil alle hier so leben. Aber das ist ein office, ein Platz wo die Leute von Bhumi und etliche Unbekannte morgens kommen und abends gehen, zum Arbeiten, und so sieht es hier aus und so fühlt es sich an. Nicht wie ein eigenes Zuhause. Wir hatten das Gefühl, keine Rückzugsmöglichkeiten haben zu können und zudem wurde uns gesagt, sind unsere Sachen dort auch nicht sicher, weil so viele Leute kommen und gehen und wir hatten nur ein Schloss für alles, sodass wir quasi ein Zimmer als Stauraum nehmen mussten, es war alles sehr umständlich. Die Küche war undicht und am zweiten Tag hab ich auf der so-called Toilette eine tote Kakerlake gefunden und eine gigantische Ameisenstraße, die ihr Nest in dem alten Reisigbesen in der Ecke hatte.
Zudem hatte Cody – der vorherige Freiwillige- uns so viel im guesthouse hinterlassen, einen Brief, Karten, W-Lan, ein paar Erklärungen und allerlei hilfreiches. Wir waren ein bisschen enttäuscht, dass wir ohne Vorwarnung einfach woanders untergebracht wurden.
Dann haben wir noch Freya und Lindsey getroffen, zwei Engländerinnen, von denen eine im Oktober wieder gehen wird, sie sind uns eine große Hilfe. Weil unser Chef nicht da war, um uns alles zu zeigen, war Freya diejenige, die uns alle Leute vorgestellt hat, die uns im Slum rumgeführt hat, uns gezeigt hat, wo wir sicher essen können, die uns einen shop für alles mögliche gezeigt hat und so weiter. Sie haben uns auch angeboten, dass wir uns Codys ehemaliges Zimmer im guesthouse teilen, solange bis wir etwas neues in der Nähe vom office gefunden haben.
Leider konnten wir das unserem Chef nicht in persona mitteilen, aber wir haben ihm gemailt und hoffen, er wird uns helfen eine neue Bleibe zu finden, da das guesthouse nicht länger bei Bhumi bleibt. Also ziehe ich gleich zweimal um in Indien :)
Im Guesthouse haben wir übrigens einen kleinen Hund, er heißt Ubuntu und ist ganz schön frech und nur so halb erzogen, aber sehr süß. Überhaupt, aus jedem Straßenhund guckt meine süße Maus zuhause mich an (hab einen Hund zuhause), manche Hunde beim office kennen einen schon, sie sind sehr lieb. Da gibts es eine alte kleine struppige Hundedame, die, schon ganz knautschig, immer in der Sonne döst. Die meisten Inder lachen oder gucken mich ziemlich verständnislos an, wenn ich sie jedes Mal ausgiebig streichel. Sie sagen mir, das wäre gefährlich, wer weiß was der Hund hat. Tja, ich hab noch keine Flöhe und mir gehts trotzdem prima und ich werde sie jedes Mal wieder streicheln, weil dieses Tiere völlig harmlos ist und sehr liebenswert.
Im Guesthouse haben wir übrigens einen kleinen Hund, er heißt Ubuntu und ist ganz schön frech und nur so halb erzogen, aber sehr süß. Überhaupt, aus jedem Straßenhund guckt meine süße Maus zuhause mich an (hab einen Hund zuhause), manche Hunde beim office kennen einen schon, sie sind sehr lieb. Da gibts es eine alte kleine struppige Hundedame, die, schon ganz knautschig, immer in der Sonne döst. Die meisten Inder lachen oder gucken mich ziemlich verständnislos an, wenn ich sie jedes Mal ausgiebig streichel. Sie sagen mir, das wäre gefährlich, wer weiß was der Hund hat. Tja, ich hab noch keine Flöhe und mir gehts trotzdem prima und ich werde sie jedes Mal wieder streicheln, weil dieses Tiere völlig harmlos ist und sehr liebenswert.
Damit ihr euch vorstellen könnt, wo das office liegt und wie Rasoolpora – die Gegend, in der ich arbeite- so aussieht, habt ihr hier einige hauptsächlich vom Balkon aus geschossene Fotos ;)
| Vor dem Klassenzimmer im office |
| ein Hinterhof aus einem Fenster heraus fotografiert |
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| eine typisch indische Koch- und Waschstelle |
| zwei Schulmädchen auf ihrem Weg |
| Spaziergang in Nachmitagssonne |
| vom Balkon in die Ferne fotografiert |
| Frau in Burka und herauf rufendes Kind |
| beim Häuserbau |
| Wäschetrocknen auf dem Vordach |
- Was ihr nicht seht, sind die etlichen Straßenhunde (sie klingen nachts wie ein Rudel Wölfe, überall Heulen und Bellen und Geraschel), die vielen Kühe, Ziegen und Hühner, die meist am Straßenrand herumstehen oder liegen und den Müll und die Büsche fressen, sowie die berühmt-berüchtigen „geeps“. Irgendwie ist es passiert, dass Schafe und Ziegen (goat + sheep= geep) sich kreuzen und diese witzig aussehenden Tiere stehen da überall herum, sind allerdings angebunden, weil sie ungewöhnlich aggressiv sind. Beizeiten werd ich sie mal fotografieren!
Die Geräusche und Gerüche hier sind ganz anders und schwer zu beschreiben. Wie ihr sehen konntet, sind die Frauen sehr farbenfroh, oder sie tragen schwarze Burkas, Männer in Hemden oder muslimischer, langer Variante davon, mit Hüten oder ohne, weiß oder bunt. Die meisten in Flip-Flops, viele Frauen haben sogar Absatz-Flip-Flops (meine Bewunderung haben sie dafür - bei den Straßen ;)). Oft hört man die Verkäufer, die mit dem Fahrrad herumlaufen und ihre Waren anbieten, etwas rufen, der Muezzin ist fünf Mal am Tag zu hören, Hundegebell, Kindergeschrei, Katzen, die sich anschreien, Grillenzirpen, komische Vogelrufe, es riecht ständig dumpf wegen der feuchten Luft und der vielen Gewürze, Chemikalien und Abwasserflüssen, die offen entlang fließen.
Ich dachte, das Bhumi office stände mittendrin im Slum, aber Freya, die mit behinderten Kindern arbeitet, hat uns mitgenommen auf eine Visite ins muslimische Viertel, tiefer hinein nach Rasoolpora und nun habe ich das Gefühl, das office ist Luxus dagegen. Ich habe davon keine Fotos gemacht, das käme mir indiskret vor.
Unsere neue Bleibe ist ungefähr 4-5 km weit weg vom office, wir sind heute zum ersten Mal ganz alleine mit der Autorickshaw hingefahren (und zurück und wurden sonstwo hin gebracht, bis der Fahrer uns verstanden hat ;) )
Hier ist momentan das Ganesh Chartuthi (Ganesha Fest), das – glaub ich – 11 Tage lang geht. Draußen sind überall Trommeln zu hören, Pfeifen und Schellen. Morgen ist dann der letzte Tag und eine riesige Masse marschiert zum See, mit einer großen, aufrecht stehenden Ganesha-Statue, die dann dem großen See Hussain Sagar „übergeben“ wird. Ein Inder erklärte mir, dass etwas ins Wasser geben ein heiliger Prozess sei.
Mit diesem Inder, er ist ein großartiger Pädagoge und nennt sich Ajay Kumar, waren wir heute auch zu dritt auf dem Motorroller unterwegs und in einem netten Laden essen, etwas „schicker“. Es war ein all-you-can-eat für 50 rupees/Person, wo viele Angestellte ihr lunch gegessen haben. Ich habe dann festgestellt, dass ich die einzige Frau in diesem Raum von 50 Leuten bin.
Überhaupt, ich mache hier anscheinend vieles, was Frauen in Indien sonst nicht machen. Ich gebe fremden Männer die Hand, ich sitze nicht im Damensitz auf dem Roller, ich trag keine knielangen Oberteile und Schals... aber für die meisten scheint es normal so, weil ich ja nun mal keine Inderin bin. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.
Vorhin habe ich mit einem netten Mentor (die meisten sind um die 25 und Studenten) darüber geredet. Mir ist nämlich aufgefallen, dass manche Leute eher meinen Kollegen adressieren, ihm die Hand geben und mich aus der Entfernung kurz grüßen. Der Mentor meinte aber, dass sei ein Zeichen von Respekt, weil ein Mann eine ihm fremde Frau (oder die Frau „eines anderen“) eher nicht berühren sollte. Natürlich ist das andersrum nicht so... ich empfand das erst als unhöflich, aber dann wiederum ist das halt nur so ein kulturelles Ding und die meisten Leute begrüßen mich trotzdem genau so, es ist mir nur ein, zweimal passiert. Namaste sagt hier übrigens keiner, die meisten sagen Hi, Hello oder Good morning. Philipp und ich planen trotzdem schon, Hindi zu lernen und lassen uns fleißig Sachen sagen ;)
Mir passiert hier jeden Tag so viel, so viele nette Anekdoten und (für uns) Skurrilitäten, ich komme mit dem Schreiben gar nicht nach und irgendwie wird es meinen Eindrücken auch gar nicht wirklich gerecht! Ich glaube, dafür gibt es nur eine Lösung: Das muss man einfach erlebt haben ;)
Ich habe allerdings vor, mal aus einer Rickshaw heraus zu filmen, damit ihr euch den ABSOLUT wahnsinnigen indischen Verkehr vorstellen könnt. Mittlerweile find ich es gar nicht mehr so schlimm... es ist doch erstaunlich, wie schnell man sich an alles gewöhnen kann.
Um es einfacher zu machen, hab ich noch eine kurze Liste, damit ihr euch das Alltagsleben hier vorstellen könnt ;)
Was in Indien anders ist als in Deutschland:
- neben den Lichtschaltern gibt es meist Stromschalter, die man vorher umlegen muss, damit die Steckdose aktiviert ist
- in Läden sind die Sachen ziemlich oft schon abgelaufen, es interessiert nur keinen ;)
- Der Bauzement hier wirbt mit „german technologies“, hehe
- einer der Studenten meinte, man kauft sich hier die driving license einfach, was den Verkehr erklärt
- viele Autos haben keine Außenspiegel oder Blinker und wenn, benutzen sie es nicht- zum Abbiegen und Überholen wird gehupt oder man hält die Hand aus der Autorickshaw
- die meisten Verkehrsteilnehmer hupen ständig, manchmal auch einfach so
- Flüssigkeiten, wie Wasser oder Milch, gibt es hier in der Regel abgeschweißt in Plastikbeuteln, was an Wasserbomben erinnert und die Milch muss man vorher abkochen
- eine weitere Spezialität hier ist Mandelmilch, welche Badam Milk heißt und großartig schmeckt :)
- wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das Ja
- wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das Nein
- wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das „Ich höre dir zu“
- und sie machen es auch am Telefon
- wenn man hier eine Straße überquert (die main road hier ist die Hölle!) dann geht man einfach und wenn man fährt, fährt man einfach weiter – irgendwie klappt's trotzdem
- Ampeln gibt es kaum oder sie werden nicht genutzt, wenn ein Polizist die Menge stoppt, beschwert man sich laut hupend oder fährt trotzdem weiter
- die Leute hier füttern einen äußerst großzügig und egal wie man den Kopf schüttelt, sie denken es heißt ja, es sei denn du hältst todesmutig deine Hand zwischen heiße Kelle und Teller ;)
jeder Raum, egal in welcher Bruchbude, hat einen Fernseher und/oder einen Ventilator
- Der Boden ist der Mülleimer
- das Zeug gegen Mücken hilft auch gegen Menschen, tötet jedoch beide nicht, sondern macht sie einfach nur verwirrt
- das südindische Essen ist großartig und - „selbstverständlich“ sagt man hier – vegetarisch. Ich liebe es. Leute sind aber trotzdem überrascht, dass ich Vegetarierin bin und fragen mich oft, warum.
- An jedem besserem shop oder malls, Banken, etc. sind Metalldetektoren (wie am Flughafen), Polizisten stehen mit ihren Holzknüppeln (sie haben hier kein Gummi) herum und meist gibt es noch eine Frau und einen Vorhang, hinter den man als weibliche Person treten muss, um abgetastet zu werden. Männer werden öffentlich abgetastet. Das gibt es auch bei besseren Restaurants, da schauen sie einem auch in die Tasche, damit kein armer Mensch irgendwie herein kommen kann.
- Es gibt hier tatsächlich einen SPAR (deutscher Supermarkt) und der verkauft Lindt Schokolade :)
- die Mückenschutzmittel, die man über Nacht in die Steckdose stecken kann, haben so schlechte Wortspiele, dass sie schon wieder lustig sind „your good knight“
Schuhe bleiben immer draußen und man gewöhnt es sich selbst in der eigenen Wohnung an weil Füße und Schuhe hier nun mal wirklich dreckig sind
- Wenn man sich Stoff kauft und zum Schneider geht, bekommt man einen lustigen Merkzettel, auf dem zwei Stofffetzen als Beispiel fest getackert werden, damit man seine Sachen hinterher wiederfindet
- man sitzt grundsätzlich auf dem Boden, egal ob Stein, ob mit oder ohne Kissen und auch relativ lange - falls man ein Bettgestell haben sollte, ist es meist steinhart, also man härtet hier wirklich ab
… das sollte für heute reichen. Ich schreib bald wieder und werde von den großen Ganesh Umzug, das Guesthouse, die Leute und unsere Aufgaben im Einzelnen und weitere lustige Anekdoten berichten.
Übrigens hat sich mein Englisch durch die beiden Engländerinnen binnen zwei Tagen wieder völlig eingespielt und „britisiert“. Ich fange an, beim Reden zu quietschen wie sie, peinlich ;)

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