29. September 2010

Gewohnheit schleicht sich ein


Die Zeit fliegt an mir vorüber! Heute waren wir beim Registration office, was in der Nähe von der berühmten Charminar liegt. Das ist ganz schön weit weg von Secunderabad, wo wir wohnen. Wir hatten eine 130 Rupees teure Rickshawfahrt dorthin und hatten das Gefühl, in einer anderen Stadt angekommen zu sein (übrigens - 130 Rupien sind ca. 2 Euro... es ist wahnsinnig, wie man sich hier an die Preise gewöhnt, wir feilschen jetzt sogar um Beträge wie 10 Rupien - das ist gerade mal 1 Cent! Neulich als wir essen waren, dachte ich mir: 134 Rupien - das ist aber ein teures Restaurant. Normalerweise bezahle ich maximal 50 fürs Essen, bei meinem Lieblingsladen meist eher 25 Rupien. Und dann hab ich festgestellt: Moment, du beschwerst dich gerade über Beträge wie 20 oder 50 Cent! ;) )

Hyderabad im Zentrum sieht weniger aus wie eine Stadt der Hindus, als eher wie eine Stadt der Muslime, man sieht keine Tempel mehr, sondern Moscheen, die Leute sind weniger modern gekleidet, sie tragen diese Hütchen, es gibt mehr Fleisch auf den Menükarten, die Werbung, die Namen der Läden sind anders. Vorallem aber ist die Gegend ums Zentrum herum viel reicher als Secunderabad, dort findet man viele Slums.
Und bei der Charminar waren soooo wunderschöne Geschäfte *.*
Wunderschöne Schuhe, flache Ballerinas in allen Farben, spitz, rund, nach oben gebogen, Flip-Flops mit und ohne Absätze in allen Farben, Stoffe, Armreife, Kämme, Teppiche.... Ich muss da definitiv nochmal zum Einkaufen hin ;)
Heute hat zwar nach einigem Hin-und Her alles geklappt, am Freitag müssen wir uns aber die Bestätigung abholen, also gehen wir nochmal hin. Das blockiert unsere Arbeit zwar im Moment etwas, aber es braucht meistens schon einen ganzen Tag, hin und zurück zu kommen. Schon merkwürdig, was man alles für Dokumente braucht, um sich zu registrieren (indische Bürokratie ist lustig).

Oh, auf dem Rückweg haben wir den Bus genommen (und auch da dachten wir uns: Was? 22 Rupien für uns beide? Mann, was wird man hier knauserig. Und man denkt immer erstmal, dass die Leute einen abzocken wollen. Das hat man davon, wenn man zuviel Umgang mit Rickshawfahrer hat ;) Aber heute waren wir durchweg konsequent hartnäckig und dementsprechend erfolgreich im Feilschen).
Wir saßen nebeneinander vorne und da sitzen eigentlich eher Frauen und hinten die Männer. Das ist so, weil in Indien fast alles nach Frauen und Männer getrennt ist. Wenn man also als Frau in den Bus kommt, kann man die vorderen Sitze für sich beanspruchen, sollte da ein männlicher Passant sitzen, was dann auch prompt passiert ist, so dass Philipp dann sich von mir weg und nach hinten setzen musste. Als dann alles seine Ordnung hatte, wurden wir auch nicht mehr so komisch angeguckt ;)

Ansonsten geht es mir wirklich gut hier. Wir sind eine richtige nette kleine WG im "guesthouse" (ist ja gar keins mehr), schade nur, dass Freya und Harish in ca. einer Woche ausziehen und Lindsay in absehbarer Zeit folgen wird. Wir hoffen, dass wir uns dann jeder ein Zimmer mit Bad hier mieten können und dann kann Chandu mit seinern Jungs von der Firma (die arbeiten nur hier und hätten dann die obere Etage als Büro) hier bleiben, vielleicht können wir das eine leere Zimmer dann auch noch vermieten und haben ein paar neue Inder im Haus :) Eine WG mit Leuten von hier ist doch irgendwie netter. Man hat immer jemanden, den man fragen kann, mit denen man mal abends irgendwohin gehen kann, ohne dass man groß Leute organisieren muss. Und die sind alle echt nett. Chandu versorgt einen ständig mit Essen oder allem anderen, was man gerade haben will, Harish kocht göttlich, Freya zeigt mir die nettesten Läden (übrigens- Inderinnen tragen so riesige Nachthemden in den tollsten Mustern und nennen sie "Nighties" - das bequemse und luftigste Kleidungsstück der Welt. Ich hab jetzt auch eins, auch wenn Philipp meint, ich seh darin aus wie ein Oma ;)) und wenn gar nichts mehr kappt, können wir Lindsay anbetteln, uns ihr Auto zu leihen.
Wenn man hier mal einen generellen Putz-Rundumschlag startet und dann ein paar Kleinigkeiten wie Vorhänge, Sitzkissen und ähnliches kauft, wird es hier richtig gemütlich. Und das Haus ist wirklich schön, hat etwas herrschaftliches, liegt schön ruhig am Grün, ist nah am Office dran und hat einige Einkaufsläden, Obststände und (am wichtigsten!) Süßigkeitenläden gleich um die Ecke. Vor allem haben die immer offen. Sind gerade um halb 11 noch ne Packung Milch fürs Frühstück holen gegangen. Oh und die Chillichips, die der Süßigkeitenladen um die Ecke abends frisch macht, sind soooooo gut :)
Jetzt, wo ich mich an die rauhen Mengen von Reis gewöhnt habe und einen Süßigkeitenladen entdeckt habe, gehe ich bestimmt auseinander wie Hefe, oh je...

Jedenfalls waren wir mit unser kleinen indischen Familie vorgestern abend auf den nahe gelegen Mahendra Hills, großen weißen Steinbrocken, die einfach so aus der flachen Erde rauskommen. Von da hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt, die ganzen Lichter, die Weite, die Ferne, die Sterne, die vielen Geräusche, die dumpf hoch schallen und die Fledermäuse, die einen umflattern. Es war atemberaubend.
Immer dann, wenn ich diese Stadt von der Ferne betrachte und die Stille wahrnehme, die man sonst nirgendswo hier findet, dann bemerke ich erst, wo ich überhaupt bin. In Indien. Indien!! Und dann muss ich jedes Mal grinsen und den Kopf schütteln.
Wir sind natürlich auf den Motorrädern der 3 Jungs mitgefahren, ich auf Chandus, Freya bei Harish und Philipp  mit einem Freund aus Chandus Firma, Anvesh. Da haben wir uns dann Orte aus der Ferne zeigen lassen, geplant, was wir alles noch machen wollen, philosophische Gespräche über Shiva gehabt und sind irgendwann mitten in der Nacht wieder zurück gebraust. Irgendwie hat das Mitfahren ja doch was entspanntes. Du lässt dich einfach mit Wind umwehen, lehnst dich bequem an den Vordermann und lässt die Dinge passieren.
Ich bin sowieso erstaunt gewesen, wie ich heute so entspannt durch das hektische Getümmel aus hupenden Rickshaws, dreifach beladenen Motorrollern, Fahrrädern, dicken Geländewagen, Kindern  und Hunden und Katzen durchgeschlendert bin. In indischer Manier irgendwie ziellos aussehend, mal rechts, mal links gucken, ohne groß darauf zu achten, dass der 2-Tonnen-Laster neben dir quasi exakt an der Kante deiner Sandale lang gefahren ist, am besten noch irgendein Lied summend. Wenn ich gegessen habe, dann bin ich selig und voll genug, um all das mit Gelassenheit zu nehmen. Man muss sich einfach ganz gemütlich, aber zielstrebig seinen Weg bahnen. Morgens, wenn ich noch müde und hungrig bin, ist dafür die Fahrt in der Rickshaw entspannend.
Klar wird man viel angebettelt. Heute an der Charminar war es besonders schlimm, Leute haben versucht einen festzuhalten, da muss man auch einfach sanft, aber bestimmt sein und sie genau so ignorieren, wie es die meisten Inder selber auch tun.
 Man fühlt sich nicht so schlecht, wenn man daran denkt, dass man in einer Organisation wie Bhumi es ist, den ärmeren Menschen dieses Landes versucht, systematisch zu helfen. Das ist besser, als willkürlich Centbeträge zu verschenken.
Es ist ein echtes Großstadtleben hier, ganz anders als ich es kenne... die meiste Zeit sind wir im Slum unterwegs, wo wir jeden Tag essen und auch unsere Kleider nähen lassen, Trinkkokusnüsse genießen, Bangels kaufen und uns zu den Leuten draußen setzen, das ist dann mehr wie ein kleines Dorf, wo jeder jeden kennt. Wenn wir dann aber zurückkommen, wechseln wir in Städtermodus und cruisen mit den anderen durch die Stadt, gehen ins Kino oder sonstwo hin und dann trifft man auf Inder, die ganz anders denken und aussehen. Irgendwie muss man das im Kopf sortieren, aber das geht so schnell und irgendwie... kommt alles von ganz alleine. Man darf sich nur nicht so sehr verwirren lassen, alles mitnehmen und darauf achten, dass man sich immer wohlfühlt. Bis jetzt kann ich mich wirklich nicht beschweren :)

Hier regnet es momentan wieder etwas, was für die Temperaturen ganz angenehm ist.
Heute morgen war es nämlich unerträglich heiß! Oh, ich habe jetzt auch eindlich meine Shalwar Kameez fertig genäht bekommen, Philipp hat heute morgen Beweisfotos auf dem Balkon gemacht ;) Eine muss ich aber zurück geben, irgendwie sind da die Maße an bestimmten Stellen zu eng... die Schneiderin im Slum ist wohl eher weniger gewohnt. Oder wie Sandhya immer so nett sagt: Tanja, du bist so fett! (Sie ist wirklich sehr dünn und flach ;))

- Oh mein Gott, Chandu hat mir gerade das beste Bananen-Schokoladen-Eis der Welt gemacht und ich muss mich gerade mal mit Philipp und dem Rest darum streiten -

Und jetzt wieder schöne viele Bilder:

Babyziege auf dem Weg zur Arbeit - extra für Charlotte fotografiert ;)

Unser  Lieblingsplatz zum Essen - Sri Matha.


Philipp demonstriert essen mit den Händen in drei Schritten im Sri Matha


Sandhya unterrichtet die Kinder vom Children's Parliament
Und wir unterstützen Sandhya dabei :)
Mit Chandu auf dem Weg zu den Mahendra Hills
On top of the hills: Ich, Chandu, Philipp
Hyderabad bei Nacht

Ubuntu genießt die Aussicht
Philipp wollte unbedingt meine "indischen" Füße zeigen ;)



 Jetzt ist es schon wieder so spät... Ich wollte eigentlich noch meine Arbeit und die Leute von Bhumi vorstellen, aber das dauert jetzt zu lang. Ich erklär einfach noch kurz was zu den Bildern, dann putz ich das Eis weg und geh ins Bett, morgen steht wieder viel an und die Regstrierung hat einen ganzen Tag gebraucht.
So und jetzt hoffe ich, dass Deutschland euch nicht zu kalt wird und schicke warme Grüße aus luftigen Gewändern ;)

25. September 2010

1 Woche Indien


Ach ja, die Zeit vergeht einfach so schnell. Ich nehme mir jeden Abend vor, zu schreiben, aber dann hängt es jedes Mal am Fotos einladen, bearbeiten, formulieren und irgendwie hab ich dann noch so viele andere Sachen zu tun, dass ich dann doch nicht dazu komme.
Da es hier momentan noch recht oft regnet und gewittert (von der Temperatur her ist das sehr angenehm), fällt ständig der Strom aus und ich bin die Einzige, deren Laptop noch Batterie hat ;)
Eben habe ich endlich mal wieder Wäsche gewaschen, mit Hand und im Dunkeln, während ich mit meinem MP3-Player Musik gehört habe, das ist auch mal eine Erfahrung wert :)
Ansonsten waren wir heute in einem Laden namens „Food Bazar“, ca. 20 Minuten zu Fuß vom guesthouse entfernt und ich habe mir Melonen und Äpfel gekauft (endlich wieder Obst!) und dann haben wir noch ein paar Bananen vom Straßenstand gekauft, lecker! Ich freue mich jetzt schon, beizeiten mal indische Kosmetik zu testen ;)
Eigenes Essen zu haben ist deshalb so bombastisch, weil Philipp und ich es seit einer Woche einfach nicht hinbekommen, genug bzw. regelmäßig zu essen (oder zu schlafen). Hier ist einfach so viel los, ständig sind wir unterwegs, jemand lädt uns ein und Arbeit haben wir auch schon gefunden.

Das schöne neue Titelbild meines Blogs hat natürlich Philipp mit seiner tollen Kamera gemacht. 
Genau so wie dieses, im Hintergrund seht ihr die Stadt:


 Das hier sieht man öfters, fotografiert auf dem Weg zur Arbeit:


Und das ist dann quasi die Weiterentwicklung: Die berühmten "geeps" mit bewiesen zu viel Testosteron ;)


Und natürlich- Straßenhunde:



Vorgestern waren wir bei ein paar netten Jungs aus der Mentorengruppe zuhause und haben die Nacht durchgemacht und witzige Bollywoodfilme geschaut. Sie haben uns mit ihren Motorrädern abgeholt, das war cool und ganz schön gruselig, indischer Verkehr halt! Da sie Muslime sind, gab es auch mal eine andere Art von Küche, das war sehr interessant, auch wenn ihre Mutter extra für mich vegetarisch gekocht hat, das war sehr nett :) Zudem haben sie uns allerlei abstruse Spezialitäten aus Hyderabad zum Essen gegeben, das war auch spannend. Die Leute hier sind echt super! Wir hatten viel Spaß.
Ah, gerade kam Chandu, ein junger Inder, der mit uns hier wohnt, vorbei, und hat mir drei Samosa (wird das so geschrieben?) vorbeigebracht, jammie! Angenehm spicy :)
Er ist wirklich sehr nett und aufopfernd, wie alle im guesthouse.
Heute waren wir auch zum ersten Mal alleine Mittagessen (bis jetzt hat sich immer jemand im Office gefunden, der auch essen wollte und mitgekommen ist).
Es war eine kleine Hütte am Rande von Rasoolpora „Sri Matha“ (Bilder folgen) genannt, wo ein nettes altes Pärchen kocht. Es gibt nur zwei Räume in dem Hüttchen, wo sie zu dritt leben, nur durch Vorhänge ist man von der „Schlaf-Wohn-Küche“ getrennt ;)  
Obwohl wir kein Wort mit ihnen reden können, sind sie jedes Mal so nett und freuen sich und das Essen ist fantastisch (und beinahe beunruhigend billig!). Wenn man schon ein paar kleine Wörter kennt, wie „Namaste“(=Hallo), „shukriya“ (=Danke) oder „bahut acha“ (=sehr gut) mit Fingerzeig, dann freuen sie sich gleich noch mehr.
Wir haben gleich zu Anfang mit Freya schon einmal dort gegessen und nichts gemerkt, also wird es wohl sicher sein, dort zu essen. Wir hatten jeder einen Haufe Chapatis (dünne weiße Brotfladen) mit Dal (Linsencurry) und allerlei anderen Currys sowie einer Art getrockneter, eingelegter Tomaten (oderso). Ich hab noch nie so viele Sachen gegessen, ohne überhaupt zu wissen, was es ist ;)
Aber ich hab schon wieder Hunger. Irgendwie hab ich in diesem Land ständig Hunger und will schlafen :D Ob das wohl noch besser wird?

So und jetzt wollte ich ja noch von dem Ganesha Festival erzählen.
Wir sind zusammen mit drei weiteren Bhumimitarbeitern, Kadambini, Sam und Madhev (zwei Frauen und ein Mann) hingegangen, zum letzten großen Tag des 11-tägigen Festes. Es gab viele Umzugswagen mit riesigen Götterfiguren drauf, feiernden, tanzenden Leuten, Farbpulver, das hotpink ist und geschmissen wird, Straßenessen, Tröten, Rasseln, Trinken und alles, was eben zu einem derartigen Hindugott passen könnte.
Ganesha ist ein sehr fröhlicher Gott und weltweit für seinen Elefantenkopf bekannt. Eigentlich ist er stets dick und gut gelaunt und sitzt, aber auf dem Fest haben wir etliche Varianten gesehen. Auch seine Eltern, Shiva und Parvathi, waren natürlich vertreten.
Es war so unheimlich voll, dass wir eine Menschenkette bilden mussten, um nicht in der Menge verloren zu gehen. Viele hatten uns gewarnt, hinzugehen, wegen der unfassbar großen Menschenmassen und weil es immer abends stattfindet und natürlich weil wir beide absolute Exoten dort sind.
Aber wir sind trotzdem gegangen, in guter Begleitung, um zu sehen, wie sie die vielen Götterfiguren mit vielen Kränen an beiden Uferseiten in das Wasser des Sees Hussain Sagar einlassen.
(Haha, wie immer wenn der Strom ausfällt, fangen Leute an, Musik zu machen. Unten singen und trommeln sie gerade fleißig.)
Auf jeden Fall war es eine Erfahrung wert, auch wenn es mit der Zeit anstrengend wurde.
Leute haben mit Sachen nach mir geworfen, Wasser, Blumen, sie haben versucht, mich anzufassen, auf die Wägen zu locken, haben uns angesprochen und wollten wissen, wo wir wohnen, haben „heimlich“ (=offensichtlich!)Fotos und Videos gedreht, auch, indem sie sich ganz dreist dicht neben einen gestellt haben (ohne natürlich zu fragen) und dann einen Freund das Bild machen lassen.
Als wär man im Zoo, nur auf der falschen Seite.
Überall wo wir länger als fünf Minuten standen, hat sich eine Menge gebildet und manche sind ganz nah rangekommen, um zu hören, was wir mit unseren indischen Begleitern so reden, einige haben sich einfach zum Glotzen direkt vor einen gestellt. Echt dreist. Völlig ohne das Gefühl für Distanz oder Respekt. Unsere Begleiter haben sich ständig „für ihr Volk“ entschuldigt, natürlich unnötigerweise. Es waren ja nur die Leute da, die eben feiern wollten und ihre Reaktionen waren zwar oft nicht nett, aber verständlich. Wir haben ja auch damit gerechnet und sind das Risiko eingegangen, weil wir eben mal da gewesen sein wollten. Zudem waren fast nur Männer auf den Straßen, das hat es für mich nicht gerade einfacher gemacht.
Trotz all der Indiskretion und einiger Schockmomente (ich war ja doch in guter Begleitung), war es ein wunderbares Fest und ich hab allerlei Bilder und Videos gemacht, die ich mit euch teilen möchte. Aufgrund der grellen Lichter, war es nicht einfach gute Bilder zu machen, manche sind leider etwas verschwommen.

Die Stromkabel hängen zu tief für Ganeshas Kopf ;)
Lustige indische Werbung

Hilft trotzdem nichts :)
So sah's nämlich am nächsten Morgen aus!
Ziemlich böser Ganesha, irgendwie
Das ist eher der klassische Ganesh
Wir nannten ihn den "Imperial-Ganesh" ;)
Ganesh-Figur an Kranseilen, auf seinem Weg in den bereits völlig eingemüllten See

Shiva ist auch mit dabei
Parvathi & Shiva, die Eltern Ganeshas
Ich hab noch viele Bilder mehr, aber das sprengt den Rahmen.

Ach ja, eins noch: Das Beweisbild- ich WAR WOHL auf dem Motorrad unterwegs!! Ich seh zwar aus wie ein Geist (zumindest fühlte ich mich, als ob ich einen gesehen hätte), aber eigentlich war es ganz lustig. Das Bild hat Philipp im Fahren als Beifahrer geschossen :)

Indian style driving :)
Also, mein Fazit: Mir geht es gut, Indien ist toll, es ist erstaunlich wie schnell man sich an alles gewöhnt und die Gewohnheiten der Menschen hier aufnimmt!
In Kürze werde ich euch dann genaueres von Wohn- Arbeitsplatz und meiner Arbeit bei Bhumi zeigen, aber das braucht noch etwas, ist ja doch immer zeitaufwendig, der ganze Computerkram  ;)

21. September 2010

Tag 4

So- jetzt endlich mal ausführlicher. Wir sind jetzt den vierten Tag hier und bereits einmal umgezogen, es ist natürlich nicht alles schön nach Plan gelaufen, aber tragisch ist es auch nicht, ich muss sagen, ich fühle mich sehr wohl in Indien, keine Angst, keine Ungewissheiten, ich glaube wir beide – mein Kollege und ich – sind ganz entspannt.
Also es hat damit angefangen, dass unser Chef bei Bhumi uns irgendwie vergessen hat, weshalb wir am Flughafen herumstanden und durch die Hilfe selbstloser Inder in ein Taxi zum office verfrachtet wurden ;) Dann haben wir erfahren, dass unser Chef für die nächste Woche im Urlaub ist- auch nicht so ideal. Aber trotzdem ist er sehr nett und gutherzig gewesen, die halbe Stunde, die wir ihn gesehen haben, so wie alle Leute hier im office sehr nett sind.

Das ist das erste Bild was ich hier gemacht habe: Philipp mit unserem Frühstück, idli (schreibt man die so?) mit chutney. Sehr lecker! Im Hintergrund seht ihr das, wo ich eine Nacht drin geschlafen habe. Philipps Zimmer war ein Schulraum, vor dem jeden Morgen die Kinder mit Behinderungen betreut werden. Also eigentlich waren das nicht wirklich Zimmer, sondern Arbeitsräume, die Wände sind unten auch etwas geschimmelt und ein Bad gab es nicht (nur ein Loch im Boden und eine Öffnung, aus der Leitungswasser kam- unsere „Dusche“). Wir haben relativ bald für uns entschieden, dass wir dort nicht dauerhaft bleiben können.



Ich kam mir etwas blöd vor, gleich am ersten Tag was anderes zu machen, vor allem, weil alle hier so leben. Aber das ist ein office, ein Platz wo die Leute von Bhumi und etliche Unbekannte morgens kommen und abends gehen, zum Arbeiten, und so sieht es hier aus und so fühlt es sich an. Nicht wie ein eigenes Zuhause. Wir hatten das Gefühl, keine Rückzugsmöglichkeiten haben zu können und zudem wurde uns gesagt, sind unsere Sachen dort auch nicht sicher, weil so viele Leute kommen und gehen und wir hatten nur ein Schloss für alles, sodass wir quasi ein Zimmer als Stauraum nehmen mussten, es war alles sehr umständlich. Die Küche war undicht und am zweiten Tag hab ich auf der so-called Toilette eine tote Kakerlake gefunden und eine gigantische Ameisenstraße, die ihr Nest in dem alten Reisigbesen in der Ecke hatte.
Zudem hatte Cody – der vorherige Freiwillige- uns so viel im guesthouse hinterlassen, einen Brief, Karten, W-Lan, ein paar Erklärungen und allerlei hilfreiches. Wir waren ein bisschen enttäuscht, dass wir ohne Vorwarnung einfach woanders untergebracht wurden.

Dann haben wir noch Freya und Lindsey getroffen, zwei Engländerinnen, von denen eine im Oktober wieder gehen wird, sie sind uns eine große Hilfe. Weil unser Chef nicht da war, um uns alles zu zeigen, war Freya diejenige, die uns alle Leute vorgestellt hat, die uns im Slum rumgeführt hat, uns gezeigt hat, wo wir sicher essen können, die uns einen shop für alles mögliche gezeigt hat und so weiter. Sie haben uns auch angeboten, dass wir uns Codys ehemaliges Zimmer im guesthouse teilen, solange bis wir etwas neues in der Nähe vom office gefunden haben.
Leider konnten wir das unserem Chef nicht in persona mitteilen, aber wir haben ihm gemailt und hoffen, er wird uns helfen eine neue Bleibe zu finden, da das guesthouse nicht länger bei Bhumi bleibt. Also ziehe ich gleich zweimal um in Indien :)
Im Guesthouse haben wir übrigens einen kleinen Hund, er heißt Ubuntu und ist ganz schön frech und nur so halb erzogen, aber sehr süß. Überhaupt, aus jedem Straßenhund guckt meine süße Maus zuhause mich an (hab einen Hund zuhause), manche Hunde beim office kennen einen schon, sie sind sehr lieb. Da gibts es eine alte kleine struppige Hundedame, die, schon ganz knautschig, immer in der Sonne döst. Die meisten Inder lachen oder gucken mich ziemlich verständnislos an, wenn ich sie jedes Mal ausgiebig streichel. Sie sagen mir, das wäre gefährlich, wer weiß was der Hund hat. Tja, ich hab noch keine Flöhe und mir gehts trotzdem prima und ich werde sie jedes Mal wieder streicheln, weil dieses Tiere völlig harmlos ist und sehr liebenswert.
Damit ihr euch vorstellen könnt, wo das office liegt und wie Rasoolpora – die Gegend, in der ich arbeite- so aussieht, habt ihr hier einige hauptsächlich vom Balkon aus geschossene Fotos ;)


vom Office Balkon in der ersten Etage
Mittagspause

Vor dem Klassenzimmer im office
ein Hinterhof aus einem Fenster heraus fotografiert

eine typisch indische Koch- und Waschstelle
zwei Schulmädchen auf ihrem Weg
Spaziergang in Nachmitagssonne

vom Balkon in die Ferne fotografiert
Frau in Burka und herauf rufendes Kind

beim Häuserbau

Wäschetrocknen auf dem Vordach

 
  • Was ihr nicht seht, sind die etlichen Straßenhunde (sie klingen nachts wie ein Rudel Wölfe, überall Heulen und Bellen und Geraschel), die vielen Kühe, Ziegen und Hühner, die meist am Straßenrand herumstehen oder liegen und den Müll und die Büsche fressen, sowie die berühmt-berüchtigen „geeps“. Irgendwie ist es passiert, dass Schafe und Ziegen (goat + sheep= geep) sich kreuzen und diese witzig aussehenden Tiere stehen da überall herum, sind allerdings angebunden, weil sie ungewöhnlich aggressiv sind. Beizeiten werd ich sie mal fotografieren!

Die Geräusche und Gerüche hier sind ganz anders und schwer zu beschreiben. Wie ihr sehen konntet, sind die Frauen sehr farbenfroh, oder sie tragen schwarze Burkas, Männer in Hemden oder muslimischer, langer Variante davon, mit Hüten oder ohne, weiß oder bunt. Die meisten in Flip-Flops, viele Frauen haben sogar Absatz-Flip-Flops (meine Bewunderung haben sie dafür - bei den Straßen ;)). Oft hört man die Verkäufer, die mit dem Fahrrad herumlaufen und ihre Waren anbieten, etwas rufen, der Muezzin ist fünf Mal am Tag zu hören, Hundegebell, Kindergeschrei, Katzen, die sich anschreien, Grillenzirpen, komische Vogelrufe, es riecht ständig dumpf wegen der feuchten Luft und der vielen Gewürze, Chemikalien und Abwasserflüssen, die offen entlang fließen. 

Ich dachte, das Bhumi office stände mittendrin im Slum, aber Freya, die mit behinderten Kindern arbeitet, hat uns mitgenommen auf eine Visite ins muslimische Viertel, tiefer hinein nach Rasoolpora und nun habe ich das Gefühl, das office ist Luxus dagegen. Ich habe davon keine Fotos gemacht, das käme mir indiskret vor.
Unsere neue Bleibe ist ungefähr 4-5 km weit weg vom office, wir sind heute zum ersten Mal ganz alleine mit der Autorickshaw hingefahren (und zurück und wurden sonstwo hin gebracht, bis der Fahrer uns verstanden hat ;) )

Hier ist momentan das Ganesh Chartuthi (Ganesha Fest), das – glaub ich – 11 Tage lang geht. Draußen sind überall Trommeln zu hören, Pfeifen und Schellen. Morgen ist dann der letzte Tag und eine riesige Masse marschiert zum See, mit einer großen, aufrecht stehenden Ganesha-Statue, die dann dem großen See Hussain Sagar „übergeben“ wird. Ein Inder erklärte mir, dass etwas ins Wasser geben ein heiliger Prozess sei.
Mit diesem Inder, er ist ein großartiger Pädagoge und nennt sich Ajay Kumar, waren wir heute auch zu dritt auf dem Motorroller unterwegs und in einem netten Laden essen, etwas „schicker“. Es war ein all-you-can-eat für 50 rupees/Person, wo viele Angestellte ihr lunch gegessen haben. Ich habe dann festgestellt, dass ich die einzige Frau in diesem Raum von 50 Leuten bin.

Überhaupt, ich mache hier anscheinend vieles, was Frauen in Indien sonst nicht machen. Ich gebe fremden Männer die Hand, ich sitze nicht im Damensitz auf dem Roller, ich trag keine knielangen Oberteile und Schals... aber für die meisten scheint es normal so, weil ich ja nun mal keine Inderin bin. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.
Vorhin habe ich mit einem netten Mentor (die meisten sind um die 25 und Studenten) darüber geredet. Mir ist nämlich aufgefallen, dass manche Leute eher meinen Kollegen adressieren, ihm die Hand geben und mich aus der Entfernung kurz grüßen. Der Mentor meinte aber, dass sei ein Zeichen von Respekt, weil ein Mann eine ihm fremde Frau (oder die Frau „eines anderen“) eher nicht berühren sollte. Natürlich ist das andersrum nicht so... ich empfand das erst als unhöflich, aber dann wiederum ist das halt nur so ein kulturelles Ding und die meisten Leute begrüßen mich trotzdem genau so, es ist mir nur ein, zweimal passiert. Namaste sagt hier übrigens keiner, die meisten sagen Hi, Hello oder Good morning. Philipp und ich planen trotzdem schon, Hindi zu lernen und lassen uns fleißig Sachen sagen ;)

Mir passiert hier jeden Tag so viel, so viele nette Anekdoten und (für uns) Skurrilitäten, ich komme mit dem Schreiben gar nicht nach und irgendwie wird es meinen Eindrücken auch gar nicht wirklich gerecht! Ich glaube, dafür gibt es nur eine Lösung: Das muss man einfach erlebt haben ;)
Ich habe allerdings vor, mal aus einer Rickshaw heraus zu filmen, damit ihr euch den ABSOLUT wahnsinnigen indischen Verkehr vorstellen könnt. Mittlerweile find ich es gar nicht mehr so schlimm... es ist doch erstaunlich, wie schnell man sich an alles gewöhnen kann.
Um es einfacher zu machen, hab ich noch eine kurze Liste, damit ihr euch das Alltagsleben hier vorstellen könnt ;)

Was in Indien anders ist als in Deutschland:




  • - neben den Lichtschaltern gibt es meist Stromschalter, die man vorher umlegen muss, damit die Steckdose aktiviert ist



  • - in Läden sind die Sachen ziemlich oft schon abgelaufen, es interessiert nur keinen ;)



  • - Der Bauzement hier wirbt mit „german technologies“, hehe



  • - einer der Studenten meinte, man kauft sich hier die driving license einfach, was den Verkehr erklärt



  • - viele Autos haben keine Außenspiegel oder Blinker und wenn, benutzen sie es nicht- zum Abbiegen und Überholen wird gehupt oder man hält die Hand aus der Autorickshaw



  • - die meisten Verkehrsteilnehmer hupen ständig, manchmal auch einfach so



  • - Flüssigkeiten, wie Wasser oder Milch, gibt es hier in der Regel abgeschweißt in Plastikbeuteln, was an Wasserbomben erinnert und die Milch muss man vorher abkochen



  • - eine weitere Spezialität hier ist Mandelmilch, welche Badam Milk heißt und großartig schmeckt :)



  • - wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das Ja



  • - wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das Nein



  • - wenn die Inder mit dem Kopf wackeln (seitlich) heißt das „Ich höre dir zu“



  • - und sie machen es auch am Telefon



  • - wenn man hier eine Straße überquert (die main road hier ist die Hölle!) dann geht man einfach und wenn man fährt, fährt man einfach weiter – irgendwie klappt's trotzdem



  • - Ampeln gibt es kaum oder sie werden nicht genutzt, wenn ein Polizist die Menge stoppt, beschwert man sich laut hupend oder fährt trotzdem weiter



  • - die Leute hier füttern einen äußerst großzügig und egal wie man den Kopf schüttelt, sie denken es heißt ja, es sei denn du hältst todesmutig deine Hand zwischen heiße Kelle und Teller ;)



  • jeder Raum, egal in welcher Bruchbude, hat einen Fernseher und/oder einen Ventilator



  • - Der Boden ist der Mülleimer



  • - das Zeug gegen Mücken hilft auch gegen Menschen, tötet jedoch beide nicht, sondern macht sie einfach nur verwirrt  



  • - das südindische Essen ist großartig und - „selbstverständlich“ sagt man hier – vegetarisch. Ich liebe es. Leute sind aber trotzdem überrascht, dass ich Vegetarierin bin und fragen mich oft, warum.



  • - An jedem besserem shop oder malls, Banken, etc. sind Metalldetektoren (wie am Flughafen), Polizisten stehen mit ihren Holzknüppeln (sie haben hier kein Gummi) herum und meist gibt es noch eine Frau und einen Vorhang, hinter den man als weibliche Person treten muss, um abgetastet zu werden. Männer werden öffentlich abgetastet. Das gibt es auch bei besseren Restaurants, da schauen sie einem auch in die Tasche, damit kein armer Mensch irgendwie herein kommen kann.



  • - Es gibt hier tatsächlich einen SPAR (deutscher Supermarkt) und der verkauft Lindt Schokolade :)



  • - die Mückenschutzmittel, die man über Nacht in die Steckdose stecken kann, haben so schlechte Wortspiele, dass sie schon wieder lustig sind „your good knight“  



  • Schuhe bleiben immer draußen und man gewöhnt es sich selbst in der eigenen Wohnung an weil Füße und Schuhe hier nun mal wirklich dreckig sind



  • - Wenn man sich Stoff kauft und zum Schneider geht, bekommt man einen lustigen Merkzettel, auf dem zwei Stofffetzen als Beispiel fest getackert werden, damit man seine Sachen hinterher wiederfindet

    - man sitzt grundsätzlich auf dem Boden, egal ob Stein, ob mit oder ohne Kissen und auch relativ lange - falls man ein Bettgestell haben sollte, ist es meist steinhart, also man härtet hier wirklich ab


    … das sollte für heute reichen. Ich schreib bald wieder und werde von den großen Ganesh Umzug, das Guesthouse, die Leute und unsere Aufgaben im Einzelnen und weitere lustige Anekdoten berichten.
    Übrigens hat sich mein Englisch durch die beiden Engländerinnen binnen zwei Tagen wieder völlig eingespielt und „britisiert“. Ich fange an, beim Reden zu quietschen wie sie, peinlich ;)

    18. September 2010

    Angekommen im Chaos

    So, wir sind jetzt in Hyderabad angekommen, habe Phillip wie erhofft in Dubai getroffen und nach einer mörderischen Taxifahrt (sie fahren hier auf der falschen Seite!) sind wir im großen Slum Rasoolpura (oderso?) angekommen, wo wir momentan - zu unserem Ärger- im Projektgebäude und nicht im guesthose wohnen. Es ist so viel passiert für den ersten Tag, ich werde beizeiten ausführlich schreiben, jetzt muss ich erstmal wieder offline gehen. Ich kann nur eines sagen: Krass! Wir leben hier momentan mit den Ärmsten und es ist schon hart, aber es geht uns soweit gut und wir werden sehen, was sich machen lässt. Irgendwie ist es außerdem auch lustig und die Inder sind sehr fürsorglich und hilfsbereit, die jungen Leute sprechen fast alle sehr gut Englisch und sind witzig und aktiv. Ich denke, hier lässt sich noch einiges machen, die Leute von Bhumi sind auf jeden Fall echt super engagiert, haben fixe Ideen, die sehr modern und offen sind und geben uns auch Aufgaben, was am Anfang sehr hilfreich ist.
    Aber mehr dazu später, wir müssen uns erstmal die Stadt angucken und vor allem: endlich mal trinkbares Wasser finden, ich verdurste gleich ;)

    - weiteres folgt -