6. Dezember 2010

Goethe, Mode und indische Mojitos


Da ist er also. Hallo Dezember! Tut mir Leid, dass du immer der Letzte bist. Und trotzdem überrascht es einen jedes Mal, wenn du da bist.

Jetzt nähert sich das Ende des Jahres schon und es will mir gar nicht in den Kopf, dass ich 20 bin, gerade in Indien lebe und es zuhause schneit!
Unfassbar, irgendwie.
Aber erstmal möchte ich mich bedanken für die nette Post, die immer wieder mal bei mir eintrudelt, sei es verspätet zum Geburtstag, einfach so, oder schon zu Weihnachten.
Ich habe auch zwei sehr schöne Adventskalender bekommen, für die ich mich bedanken möchte und meine kahle Wand ist jetzt gepflastert mit schönen Fotos von euch allen :)
Ansonsten nehmen wir die ganze Weihnachtsgeschichte hier irgendwie nicht so wirklich wahr, am ersten Advent haben wir noch Philipps kleinen mirgebrachten Kerzenkranz angezündet und Lebkuchen gegessen, heute schon im meeting haben wir zufällig festgestellt, dass es ja Nikolaustag ist und der zweite Advent ist auch schon vorbei, ups ^^
Zieht irgendwie völlig an einem vorbei, so ganz ohne Kälte, Konsumterror und Schokoladenkuchen...

Stattdessen haben wir uns jetzt beide in einem kleinen Fitnessstudio um die Ecke angemeldet, 2 Minuten zu Fuß von unserem Haus. Das Studio ist relativ klein, aber da wir früh morgens kommen auch schön leer und so haben wir unseren Platz, um in Ruhe zu trainieren. Der Besitzer, stolzer Mr. India (hehe ;)) gibt uns dabei Tips und hat uns gewogen und so. Philipp ist meistens oben bei den Muskelbergen und Gewichten und ich hab unten den Ausdauerraum mit Laufband, Crosstrainern, kleinen Gewichten und (das beste!) Gymnastikbällen für mich :)
Ansonsten haben wir uns Harry Potter and the Deadly Hallows in einem schön großen Kino angesehen, wo wir auch endlich mal die anderen VIA-Deutschen (jedenfalls fast alle) getroffen haben. Die fanden dann auch recht lustig, dass nach 2 Monaten Indien plötzlich zwei neue Deutsche ein paar Kilometer neben ihnen auf dem Radar erscheinen, ohne dass man sich je mal gesehen hat, schon lustig :)

Mann, ich sollte mir aufschreiben, was ich jeden Tag so mache, im Nachhinein ist es total schwer für mich, das alles zu rekonstruieren. Mir fällt alles immer ziemlich durcheinander ein.
Wir waren nämlich lange davor schon im Kino und zwar in “Guzaarish”, ein schöner Bollywoodfilm, den viele unserer indischen Freunde allerdings nicht so toll fanden (vermutlich, weil er ausnahmsweise mal eine tiefere Bedeutung hatte und außerdem wurde kaum gesungen und schon gar nicht getanzt – was ist das denn für ein Film?! ;) )
Indisches Kino ist immer ein Erlebnis!

Letzte Woche war dann auch Welt AIDS Tag, wo es eine Art Umzug hier in Rasoolpura gab, der Philipp beigewohnt hat. Er ist übrigens seine zehn Kilometer unter seinem 45-Minuten-Limit gerannt, und das alles obwohl Nikhilesh, ein indischer Freund, der ein Jahr in Hamburg gelebt hat, uns ein paar Pubs am Abend davor gezeigt hat und uns nach ganz indischer Gastfreundschaft gut abgefüllt hat... :) Der Mojito war zu stark. Der zweite auch :D 
Ich wär da am nächsten Tag bestimmt nicht mehr um 5 Uhr morgens aufgestanden und eine Dreiviertelstunde in der Sonne herum gerannt... ;)

Letztes Wochenende hat uns Lindsay dann auch mitgenommen zu Venita Pittis wunderschönem Haus, das historisch und noch erhalten ist. Eines der wenigen alten Gebäude, die es in Hyderabad überhaupt noch gibt. Die meisten Wohnhäuser waren aus Holz, sind verfallen oder wurden einfach abgerissen, um große Betonwohnblöcke aufzuziehen.
Eine faszinierende Mischung aus dem europäischem 19 Jahrhundert und arabisch-indischen Einflüssen: düster, hohe Fenster und schwere Stofftapeten, überladen verzierte Kacheln, gleichzeitig arabisch geschwungene Torbögen, ein Atrium im Inneren, das mit Mosaiken ausgelegt ist, auf denen man Schach spielen kann.
Im Wohnraum, der ans Atrium angeschlossen ist, sind viele alte Bilder von ihren Vorfahren, die Familie ist dem Gott Vishnu sehr zugeneigt, ihnen gehört auch der Vishnu-Tempel, dessen Mauer wir auf der Malaktion mit den Kindern angemalt haben. Gut für mich – das lunch, dass wir bekommen haben, war demenstprechend streng vegetarisch (in Indien heißt das übrigens auch, dass man auch keine Eier/Eiprodukte isst) und gewohnt lecker :)

Schmuck im Wohnzimmer

Von wegen prüde... ähem!

Restaurierte Decke

Ich würde hier schon einziehen ... :)

Venita, unsere Gastgeberin und eine weitere Freundin, Aparajita


Venita Pitti entwirft und lässt ihre eigene Mode herstellen, feminin, zart und gleichzeitig sehr modern, trotz traditioneller Muster, alles in Handarbeit. Ihre Tochter entwirft eben so sehr sehenswerten Schmuck, den sie aus edlen Materialien und gleichzeitig auch aus Alltagsgegenständen, Sicherheitsnadeln und Reisverschlüssen herstellt – auch hier eine spannende Mischung aus alt und modern.
In dem Haus waren fast mehr Bedienstete als Bewohner und trotzdem hat es sich die Hausherrin nicht nehmen lassen, uns persönlich zu überfüttern ;)
Der lange Bindi ist übrigens vishnu-typisch.

Uns wurde gezeigt, wie die Weber in langwieriger Arbeit Perlen in den Stoff weben

Designerschmuck aus Hyderabad :)


Und plötzlich war da ein Kamerateam vom indischen Discovery Channel und wir wurden Statisten :D
Es ging wohl irgendwie darum, eine Art Werbefilm für beide Hausproduktionen zu drehen.
Zum Beispiel mussten ich und Kate, eine weitere Deutsche, für den Film dann interessiert mit Venita über ihren Kreationen stehen und uns beraten lassen und später im Austellungsraum mit dem Schmuck haben wir alle zusammen, sämtliche eingeladene Weiße, fröhlich ihre tollen Ideen vor der Kamera gelobt...
Naja, die Leute sind alle sehr nett und wir haben gutes Essen, einen schönes Haus zu sehen und sogar Bangels umsonst bekommen für unsere Statistenrollen (von der wir erst vor Ort erfahren haben), trotzdem weiß ich ja nicht, wie ich das finden soll, das unser Weißsein als Werbezweck genutzt wird. Frei nach dem Motto: wenn sogar die das toll finden, wird es gleich zehnmal mehr en vogue sein.
Eigentlich ist das ein Privileg, das ich ungerne annehme.
Wie auch immer, es gab auf jeden Fall auch eine ganz tolle alte Dame dort, die uns Mädchen allen sehr schöne Hennahände gemacht hat und dann noch einen Bangelhersteller, der das hergestellt hat, was wir als lackierte Holzarmreife verstehen, was aber weder lackiert ist, noch aus Holz hergestellt wird.
War sehr interessant, er hat es vor unseren Augen gemacht und wir konnten Farben, Muster und Form angeben. Und dann wurden sie uns einfach geschenkt!

So macht man das also

War schon interessant, der Tag... dann sieht man plötzlich auch mal Inderinnen in Miniröcken und Plateauschuhen. … Äh. Voll komisch. Wie nackt und unangemessen mir das plötzlich vorkam :D
Ich fang ja schon an, mich ohne Schal merkwürdig zu fühlen, wenn ich vor die Haustür gehe.
Hier wird es übrigens merklich frischer. Nachts brauch ich außer meinem Schlafsack-Inlay nun auch noch eine Fließdecke und langärmelige Oberteile sind tagsüber auch angenehmer. Der Wind ist frisch und wenn die Sonne dann nicht scheint, merkt man schon, dass es auch hier “Winter” ist.

Ein letzter wirklich warmer Tag in Hyderabad
Am selben Tag hat uns Nikhilesh dann auch zur Geburtstagsfeier des Goethe Zentrums hier in Hyderabad eingeladen, da er die Leute dort wohl ganz gut kennt.
Auf diesem Fest hat auch eine deutsche Jazzband gespielt, ick glob die warn aus Berlin :D
Coole Jungs, leider hatten wir viel zu wenig Zeit, um mit ihnen noch den Abend und das Buffet zu genießen, weil wir am nächsten Tag früh morgens schon wieder raus mussten, um aufs Land zu fahren, wo ein Bhumi workshop stattgefunden hat.
Das Goethe Zentrum macht hier einige interessante Sachen und wir haben Adressen mit Monika, der Zuständigen dort, ausgetauscht. Nicht, dass wir ständig von Deutschen umgeben sien wollen, aber es ist vor allem auch nett, Inder zu treffen, die sich damit beschäftigen und sogar lokale Leute Deutsch sprechen zu hören! Ebenso vor Ort war die Alliance Francaise, wo wir zwei nette französische junge Frauen kennen gelernt haben, die auch ganz in der Nähe von uns wohnen.

Mal wieder ist mir nach all diesen Tagen aufgefallen, wieviel in Indien doch von Verbindungen abhängig ist. Man muss immer jemanden kennnen, der jemanden kennt und so weiter... und als Weiße kriegst du sowas ständig angeboten. Manche Leute wollen krampfhaft mit dir “befreundet” sein und lassen für alles mögliche ihre Verbindungen spielen, ob du willst oder nicht.
Zugegeben, oft ist das auch sehr praktisch, weil wir nette und interessante Leute kennen lernen. Aber manchmal ist mir das auch einfach zu viel... Angeben gehört hier bei vielen Leuten irgendwie auch zum guten Ton.

Über Freitag und Samstag waren wir also mit den Bhumi-Core Mitgliedern in einem netten Landhaus, das mal schön gewesen sein muss, als der Pool noch mit Wasser gefüllt war... ;)
Nein, ich beschwer mich nicht, ich war schon heilfroh einfach mal wieder im Grünen zu sein.
Da war ein Rasen! Echtes Gras. So zum Draufherumwälzen und Anfassen! Und wundervoll duftende Tempelbäume, mit ihren schönen, großen, weißen Blüten! Und Eichhörnchen (oder irgendwie so eine Art Tier) und fremdartige, bunte Vögel und sooo viele Pflanzen, Ficusbäume so groß wie Häuser! Nach meinem Geschmack saßen wir viel zu lange drinnen herum, anstatt die Idylle und Stille draußen zu genießen.


Tempelbaum, der wunderschöne Blüten hat und ganz toll riecht
Argus, Mujeebs Doggenwelpe, der auch dabei war

Das Bhumi- Team

Die Session war trotzdem sehr interessant, es wurde viel besprochen, über Evaluation ehemaliger Aktionen, Konfliktanalyse und Kommunikation, bis zu neuen Plänen. Das alles wurde angeleitet von einem Mann aus Pune, der die sanfteste Stimme der Welt hat, und viel mit Meditationstechniken gearbeitet hat, was ich persönlich sehr spannend finde.
Überhaupt war dieser Mensch sehr interessant.
Yoga würde ich eigentlich auch gerne mal wieder machen... angeblich ist ein Yoga Centre ganz in der Nähe, muss ich mal ausfindig machen :)

Und jetzt sind wir wieder hier.
Momentan finde ich es etwas schwierig, Arbeit zu finden. Nayeem plant ein Frauenforum, zur Stärkung der Position von Frauen in der Community, aber keiner weiß so recht, was genau da passieren soll.
Ich halte die Idee an sich für sehr gut und würde da gerne einsteigen, offensichtlich haben recht viele Frauen aus dem Slum auch selber das Bedürfnis nach so einem Forum geäußert (denn nichts ist schlimmer, als Leuten zu “helfen”, wenn sie das gar nicht wollen). Vielleicht kann ich ja da meine Fähigkeiten irgendwie einbringen, ansonsten fühle ich mich gerade etwas unterfordert – nett gesagt. Das Children's Parliament findet ja nur am Sonntag statt und momentan pausiert es auch, wegen Examszeit und Weihnachstferien.
Bis das Health Project weitergehen kann, müssen wir erstmal ein paar Sponsoren ausfindig machen und Nayeem hat wohl auch jemanden ausfindig gemacht, aber was das letztendlich bedeutet, ist eine ganz andere Sache.
Naja, irgendwas werde ich schon etwas finden.

Und jetzt wartet ein Wäscheberg auf mich und wir lesen uns wieder, wenn es etwas Spektakuläreres zu erzählen gibt ;)

Vielen Dank übrigens auch nochmal an Philipp, für die tollen Fotos und dass ich sie auf meinen Blog stellen darf !
Liebste Grüße aus einem ganz unweihnachtlichen Land,
eure Tanni


22. November 2010

Theater und Tempelwände

- oder: Nazis findet man überall -

So, es ist mal wieder so weit, Zeit für einen neuen Blogeintrag. Tut mir Leid, dass ihr schon wieder warten musstet, aber ich komme gerade nicht einmal dazu, meine Mails zu checken. In letzter Zeit waren so viele Aktionen und es sind so viele Dinge passiert, dass ich kaum zuhause gewesen bin.
Aber fangen wir von vorne an.

Als kleine Bitte vorher: ich habe eine neue Seite auf diesem Blog, die ich euch als LeserInnen ans Herz legen würde. Schaut einfach mal kurz rein!

Am 14.11 war Internationaler Tag der Kinder und im Rahmen dieses Tages sind natürlich überall verschiedene Aktionen gestartet.
Gleichzeitig hat der Verein "moving images" hier in Hyderabad ein 5-tägiges Festival vom 11-16. November gehalten, zu Ehren des vor 150 Jahren geborenen indischen Künstlers Abanindranath Tagore aus Kolkata... ein sehr interessanter Mann übrigens- ist es wert, dass man sich mit ihm beschäftigt. Eines meiner Lieblingszitate von ihm ist: „Die bedeutendste aller Tatsachen des gegenwärtigen Zeitalters ist, dass sich der Osten und der Westen begegnet sind.“

Aus dieser Stadt kam dann auch eine ganz wunderbare ältere Dame, die seine Kunst in größeren Formaten reproduziert und eine der führenden Spezialistinnen in Tagores Kunst ist. Sie, der Verein und diverse NGOs haben dann mit uns als Handlanger für alles Stressige zwei Aktionen gestartet: einmal das Bemalen einer Tempelwand von Kinder, die unter anderem auch HIV infiziert waren (was hier in Indien meist absolute soziale Ausgrenzung bedeutet) und das Bemalen einer Schulmauer durch die Schüler selbst.
Die Künstlerin hat dann Anweisungen gegeben und den Kindern geholfen und wir haben alles übrige gemacht: organisiert, Farben verteilt, Essen besorgt, alle möglichen Utensilien besorgt, in der prallen Sonne stehen und innerlich fluchen ... ;-)

Kunst wird in indischen Schulen leider kaum ernst genommen oder gefördert...

wieviele Picassos oder Goethes dadurch wohl für immer unentdeckt bleiben?

indische Mädchen... "Mam why you have white hair?"

Die Künstlerin aus Kolkata, eine weitere Künstlerin aus Hyderabad und die Organisatorin (v.l)


Die werte Künstlerin, deren Name zu lang war, um ihn sich zu merken, sprach diverse Sprachen, aber vorallem Französisch (und irgendwie war sie auch einfach eine französische grand-mère) und umso glücklicher war sie, als sie herausfand, dass ich Französisch sprechen kann. Eine irgendwie verstörende Erfahrung, Französisch in  Indien zu sprechen. Diese Aktionen waren anstregend, aber auch sehr schön.
Danach waren wir zwar farbverklebt, sonnenverbrannt und hungrig wie Wölfe, aber wir hatten zwei große ganze bunte Wände! Und wir waren auch mal wieder im eigentlichen Hyderabad unterwegs, hatten einen Kaffee morgens früh, während wir die Charminar vom Café aus angucken konnten.
Des Weiteren haben wir auch an anderen Aktionen des Festivals teilgenommen, u.A. an einer Ausstellung in einer Kunstgallerie, die darin geende hat, dass wir von uns unbekannten, aber offensichtlich sehr reichen Indern zum Essen eingeladen wurden. Hinter der Gallerie lag das Wohnhaus der Frau, die die Besitzerin ist und in ihrem sorgfältig gepflegten Garten war ein köstliches Buffet aufgebaut :-)

Schon merkwürdig, ein ganz anderes Indien, was einem in den Villen und Landschaftsgärten begegnet. Wir haben allein zwei Inder getroffen, die schonmal in Deutschland waren, einer konnte es sogar recht gut sprechen, der andere kam vor zwei Tagen aus Frankfurt wieder, alle sprachen perfektes Englisch und dann haben wir uns plötzlich über osteuropäische Wirtschaftspolitik unterhalten und ich dachte mir, ich bin im falschen Film, mit meinem Weinglas in der Hand... aber viele dieser Inder waren sehr sozial engagiert und keinesfalls nur abgehoben. Diesen Abend habe ich auch das erste Mal etwas über social entrepreneurship gelernt, war doch sehr interessant. Aber das beste war: es gab "german potatoe salad"!! ;-)
Und dann muss ich natürlich noch meinen zweiten Blogtitel erklären: Einen Tag später waren wir bei einem Theaterstück, das Tagore geschrieben hat und das der Regisseur mit der wahren Geschichte eines polnischen Arztes im zweiten Weltkrieg kombiniert hat. Eine spannende Kombination, die uns in Englisch und Hindi gemischt und mit drei deutschen Sätzen präsentiert wurde. Die Grammatik war weitestgehend korrekt und die Aussprache war auch nicht schlecht, wir waren beeindruckt :-)
Auch sehr spannend war, wie die völlig unterschiedlichen Stücke - die, eines todkranken indischen Jungens, der in seinem Zimmer liegt und träumt und die des jüdischen Arztes, der um das Leben seiner Waisenkinder bangt und mit ihnen im KZ endet - kombiniert worden sind.

Dann war da natürlich noch Chandus Hauszeremonie, um die neuen Wohnungen, die seine Eltern auf das eigentliche Flachdachhaus aufgebaut haben, einzuweihen.
Die Zeremonie war sehr schön, da der Hindupriester uns viel erklären konnte, weil sein Englisch sehr gut war. Ich glaube er hat sich gefreut, dass wir als Fremde so viel Interesse an seiner Kultur und Religion zeigen, er war ein sehr netter Mann!

Zeremonie vorm Haustor - mitten in der Nacht!
Hausfront, festlich geschmückt für die Zeremonie

Leider hat das ganze um 4 Uhr nachts schon angefangen, so dass ich gegen 3 aufstehen musste und nach dem anfänglichen Kürbiszerschlagen vor dem Haustor so gegen 6 Uhr auf irgendwems Bett eingeschlafen bin. Dann gab es natürlich später mit all den Gästen noch eine große Puja, bei der wir alle Kokosnüsse zerschlagen haben, Bindis bekommen haben und natürlich die roten Wunschbändchen ums Handgelenk.

Chandus Eltern während der Puja am neuen Hausschrein


Schöne Sauerei, diese Kokosnüsse!


Müde, aber glücklich (und sehr heilig ;-)): Lindsay und ich

Danach haben wir alle unsere Geschenke an die Familie überreicht (wobei man nochmal einen Bindi bekommt... ständig wird man mit Kumkum betupft ;-)) und am Ende des Tages haben Lindsay und ich sogar selber welche bekommen! Wunderschönes, besticktes Dressmaterial in rostbraun und schwarz, dass ich noch zum Schneider bringen muss. Und dann gab's natürlich auch noch Essen über Essen- Reis, Pappad, gebratenes Gemüse, alle Arten von Curry und Chutney, mit Honig gesüßte Milchteigbällchen, Vanillepudding, butter scotch Eis, Früchte, diverse merkwürdige indische Süßigkeiten, Chai-Tee und alles - ich liebe Indien - "selbstverständlich" rein vegetarisch. Ich habe VIEL ZU VIEL gegessen, mal wieder :-)

Chandus Familie ist für unser Verständnis sehr altmodisch, aber sie alle sind unheimlich gastfreundliche, liebenswerte Menschen. Sie sind das, was man Indiens Mittleklasse nennt, gleichzeitig sind ihre Wohnverhältnisse für den Standart der deutschen Durchschnitts-Mittelklasse gar nicht zu erwägen. Indische Mittelklasse heißt, nicht arm zu sein ohne reich zu sein, nicht viel mehr.
Auch das gesellschaftliche Denken ist hier ganz anders... Ich möchte nicht darüber urteilen, da dieses Denken hier ganz üblich ist und alles seine Gründe hat. Aber verständlich, dass ihre Kinder, die ähnlich wie wir sind, ganz anders denken und in die Welt hinaus wollen, oft im starken Konflikt mit ihren Eltern stehen. Viele von ihnen lassen sich am Ende doch von ihren Eltern verheiraten... ich sollte besser aufhören, bevor ich mich noch mehr darüber aufrege, wie man sich sein Leben nur so verbauen lassen kann ;-)

Chandu, sein Vater Ramarao, seine Mutter Lakshmi und sein kleiner Bruder Vinod - festlich gekleidet natürlich

Da seine Mutter nur Söhne hat und nach der großen Party das ganze Haus natürlich aussah wie Sau, bin ich den nächsten Tag noch bei ihnen geblieben, um der guten Frau beim Putzen zu helfen... die Männer haben sich da dezent rausgehalten oder nur die groben, schweren Sachen geräumt.
War schon interessant, mal eine indische Tochter zu sein und ganz authentisch zu leben. Aber auch komisch und auf eine unheimliche Art und Weise befremdlich. Die Frauen hier haben es schon nicht einfach, hab ich mir so gedacht... das Leben für sie ist so viel anstrengender, als ich es je in meinem Leben erlebt habe. Es ist nicht so, als ob sie nichts zu sagen hätten, diese Frauen wissen schon ganz genau was sie wollen, nur meist haben sie auch gar nicht die nötige Bildung und auch kein Einkommen, als dass sie über mehr als Haus und Hof entscheiden könnten - sie sind abhängig.
Ob ich wohl auf Dauer in einer indischen Familie leben könnte? (Wie wäre es wohl, wenn ich in eine Gatsfamilie gekommen wäre?)
Diese Lebensweise macht einen sehr dankbar und zufrieden, es ist simpel, aber erfüllend, schön. Nur immer in dieser untergeordneten Rolle zu leben und dass Leute deine Arbeit für selbstverständlich halten, das stell ich mir in langer Sicht als durchaus nervig vor. Außerdem machen sich die Leute hier - meiner Meinung nach - unnötig unglücklich mit ihrem restriktiven Kastendenken und ihrem Tabudenken, wodurch ihnen der Schritt zu Bildung und Aufklärung und damit auch die Möglichkeit sich selber aus Konflikten zu lösen, verwehrt bleibt. Wenn man diese urige Lebensweise mit einem aufgeschlosseneren Denken kombinieren würde, dann könnte ich auch in einer indischen Familie leben ;-)

Eine schöne Erfahrung war es aber auf jeden Fall! Chandus Mutter hat sich jedenfalls so über meinen Einsatz gefreut, dass sie mich mit einem indischen Kuss verabschiedet hat - das sieht man Leute recht oft mit kleinen Kindern machen: sie greifen dir an die Wange, so wie die klassische Oma das tun würde und dann küssen sie ihre eigene Hand, bzw. die Finger, die dich eben berührt haben.
Die Nachbaren haben sich glaub ich ziemlich gewundert... "weiße Putzfrauen, so was gibt es?!" :D

Dann waren wir am Sonntag danach noch auf Golconda-Fort, einer alten muslimischen Festung, aus der heraus Hyderabad entstanden ist. Dort gab es eine einmalige Tanzaktion, der man kostenlos beiwohnen konnte und die vom amerikanischen Konsulat, und damit auch von einer Freundin Lindsays, gesponsort wurde.
Es war so eine Art Ballet an und auf Mauern, zu guter, rythmischer Musik, das ganze war sehr kraftvoll und in der Nachmitagssonne sehr schön anzusehen!



 Aber vorher sind wir noch gemütlich durch die Anlage spaziert, haben uns die wunderschönen Kalifen- und Königinnengräber angeschaut und dann vor einem der Monumente gemütlich gebruncht :-)
Lindsay hat "eggy bread" (so eine Art Eisandwhich mit Mayonnaise, eigentlich kommt noch Kresse drauf, aber die findet hier keiner) gemacht, dazu gab's Samosa, Kaju barfi (Cashew fudge... eine süße klebrige Masse aus Cashew-Nüssen mit essbarer Silberfolie drauf), Äpfel und Salat (naja, indischer Salat = geschnittenes Gemüse, haupstächlich Zwiebeln :-)).
Schön war auch, dass Lindsays Fahrer Jaffar und seine Frau Roxana mitgekommen sind. Die beiden sind unheimlich schüchtern, aber sehr süß!

Picknick!


Unsere bunt gewürfelte Gruppe beim Mittagessen

Die Grabmäler sind wunderschön... ganz anders, als alles, was ich so kenne, runde Bögen, verzierte, geschwungene Rahmen, Zwiebeltürme, auf denen schon kleine Bäume wachsen... ein ruhiger, friedlicher Ort.



Dieses Erbe hat Hyderabad seinen muslimischen Ahnen zu verdanken
 Nach der sehr beeindruckenden Tanzaufführung haben wir noch Harish mit einem weiteren Freund getroffen und sind ein bisschen unterhalb der eigentlichen Festung in den Gewölben un Anlagen herumgewandelt. Das war ein sehr schöner Sonntagsausflug!

Lindsay, Philipp, Harish, Chandu und ich

Überreste majestätischer Schönheit

Ich bin eine Öllampe! ... Quatschbilder halt :-)
Auf unserem Rückweg haben wir übrigens ein Kamel getroffen. Es hatte eine Menge Kinder auf dem Buckel, hier der Beweis den Philipp heldenhaft aus dem fahrenden Auto heraus noch erwischt hat:

tadaa!
 So und jetzt ruft die Arbeit. Ich hatte noch keine Zeit genauer zu beschreiben, was wir hier überhaupt so arbeiten, als kurzer Überblick - letzte Woche waren wir auf Sponsorensuche und hatten ein Treffen mit der Ärztin einer NGO hier in Hyderabad. Ansonsten ist der Kalender, der aus den Bildern der Malaktion entstanden ist, in der Mache und das Children's Parliament Konzept wird überarbeitet, sodass es nun zwei Gruppen geben wird. Außerdem ist nächsten Sonntag ein Marathonlauf um den See herum, eine Aktion zum Sauberhalten des Wassers - NGOs können auch laufen, eventuell läuft also Bhumi, Philipp zumindest ist absolut entschlossen, mitzulaufen :-)

Viele liebe Grüße aus dem Sonnenland,
eure Tanni

7. November 2010

Mumbai, Diwali und Geburtstage

Liebe Freunde, Familie und Leser – tut mir echt Leid, dass ich erst so spät schreibe!
Neben einem Wäscheberg, diversen Krankheitsschüben und Stromausfällen, sowie indischen Festen hat mich auch die Tatsache aufgehalten, dass ich mich durch an die 2000 gemachten Fotos wälzen musste, um die besten zu finden und zu bearbeiten. Ich hatte zwischendurch auch noch Geburtstag – am 3.11. -, und dann ist Kontakt halten ja irgendwie auch zeitaufwendig ;)

Danke erstmal für die vielen Geburtstagswünsche- und karten, mit denen ich nun meine kahlen pastellblauen Betonwände verzieren kann :)
Ich dachte, ein Geburtstag so ganz ohne all meine Freunde und ohne Familie wäre eine traurige Angelegenheit, aber es kam dann doch ganz anders und ich hatte einen schönen, spannenden und irgendwie auch ganz anderen 20sten Geburtstag mit meiner neuen indischen “Familie” :)

Aber ich fange besser von vorne an: Vom 21.Oktober bis zum 27. waren wir in Mumbai, in dem indischen Nachbarstaat Maharashtra – wir, das sind Philipp, Chandu, Paresh und ich.
Chandu und Paresh, deren Firma “Coherendz” ihr Büro in unserem Haus unten hat, waren geschäftlich dort – sozusagen. Es gab eine Veranstaltung in Pareshs ehemaligem College – NITIE (National Institute for Technichal Engineering) – bei dem alle möglichen berühmten Personen aus dem Bereich Business und Entrepreneurship kamen, um ihre Geschichten zu erzählen, mit jungen Unternehmern zu diskutieren, und auch einige Sponsoren, die sich die Ideen der jungen Leute angehört haben, natürlich mit dem Gedanken, ein neues Projekt zu finden – deshalb waren auch die beiden da.
Die Vorlesungen, meist in Englisch, waren auch sehr interessant für Philipp und mich, natürlich haben wir auch Mumbai-Sightseeing betrieben, ein paar deutsche Freunde getroffen und gefeiert :)
War mal ganz interessant, eine neue Seite von Indien zu sehen, das wir ja bis jetzt nur von Hyderabad kannten.
Mumbai – oder Bombay – ist ganz anders. Eine der dicht besiedelsten Städte der Welt, mit dem größten Slum Asiens, das mitten im Stadtkern liegt, eine Stadt, in der Armut, Elend und unfassbare Dekadenz sowie Reichtum direkt aufeinander treffen. Eine Stadt, die das teuerste Gebäude der Welt (1 Billionen US Dollar) beherbergt, mit den teuersten Autos prahlt und dessen reicher Stadtteil die Bettler von den Straßen aufsammeln und wieder zurück ins Armenviertel schleppen lässt.

indisch? britisch? beides? Und warum sind da Bayrische Löwen ;) ;)

Und dann auch noch Engel

Abends am Strand

Das Slum vom Walk-over fotografiert

Gleichzeitig ist es auch eine Stadt, die unheimlich viel Geschichte birgt, merkwürdig alt-europäische Denkmäler und Gebäude zeigt, Brunnen, die aussehen wie aus dem alten Italien und direkt daneben Zwiebeltürme aus Marmor, die mit britischem Backstein kombiniert werden.
Widersprüchlich, anstregend und faszinierend auf seine Art und Weise.

Diese Bilder sind auf dem Hausdach des Colleges entstanden, wo wir morgens um 5 angekommen sind und die Sonne aufgehen beobachten konnten: 






Wir haben natürlich erstmal die klassischen Touristenziele abgeklappert: Das berühmte Gateway of India, wo mehrere Leute uns mal wieder um Fotos mit ihnen gebeten haben (einer hat uns sogar “heimlich” gefilmt, da wundert man sich doch, wo es dort so viele Touristen gibt!), sowie die zum UNESCO Welterbe gehörende “Elephanta Island”, eine wild bewachsene Insel, die einen der ältesten in Felsstein gehauenen Hindu-Tempel (meinem Liebling Shiva geweiht) zeigt.



Die ganze Truppe vor dem Gateway of India: (v.l.) Paresh, Philipp, Marian, ich, Lara und Chandu


Das berühmte Taj Mahal Hotel von der Fähre aus fotografiert

Mit einer Deutschen zu reden war doch auch mal wieder nett :)

Die kleinen frechen Biester waren überal auf der Insel!
Nicht zu vergessen: Ziegen!

Im Tempelgewölbe

Lord Shiva

Paresh, Marian und ich

Dann waren wir natürlich noch im berühmten “Prince of Wales Museum” (das im Zuge der indischen Rückbesinnung auf eigene Kultur in den Zungenbrecher „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“ umbenannt wurde). Dort wird die bedeutendste indisch-sarrazenische, arabische und persische Kunst gezeigt, von einer Rüstungs- und Waffensammlung, bis zu einer großen Sammlung sämtlichen Götteridole, Diwane, Schmuck, Alltagsobjekte von vor Jahrhunderten in den prächtigsten Ausführungen, altindische Malerei und vieles mehr. Sehr sehenswert!

Das Museum von außen - ein wunderschönes Gebäude aus der Kolonialzeit

Auch immer mit dabei: Siddharta :)

Wir durften alle Maharaja spielen ;)

Dann sind wir noch gemütlich in der Nachmittagssonne zur berühmten Haji-Ali Moschee gelaufen, die am Ende einer Seezunge im Arabischen Meer liegt. Meerluft! Wie schön, ein richtiges Urlaubsfeeling. Der Strand war zwar aus Steinen und nicht der sauberste, aber wenn man ein bisschen weiter raus gelaufen ist, hatte man wenigstens etwas Ruhe und Meerluft, sodass man die Betonwüste hinter sich etwas vergessen konnte (auch wenn Leute von überall angerannt kamen, nur um uns “heimlich” zu fotografieren, bei allem, was wir so getan haben... nervig!). Wir haben dann einfach zurückfotografiert! ;)

Auf dem Weg zur Moschee

*Das* klassische Touri-Foto ;)

Meine Beute aus dem Arabischen Meer

Rückweg

Das war ein schöner Ausflug...

Danach hatten wir einen köstlichen Fruchtsaft, der uns im Reiseführer empfohlen wurde und haben uns wieder auf dem Rückweg gemacht. Ist doch anstregend, den ganzen Tag draußen, in dieser Sonne und vorallem in dem unfassbaren Smog (Halsschmerzen sind vorprogrammiert, wenn man einen Tag draußen rumläuft).

Der indische Sleeper Train ist übrigens auch eine Erfahrung für sich! Ist wie ein Hühnerkäfig, offene vergitterte Fenster, die auch als Mülleimer dienen, ebenso das Loch im Zugboden, dass man höflich “wash room” nennt, “super fast train” ist vergleichbar mit dem heimischen RE und deshlab hat es auch 14 Stunden nach Mumbai gebraucht. Alle fünf Minuten kommt ein schreiender Verkäufer mit Bauchladen an einem vorbei gelaufen, gerne auch mal nachts, wo dann manche Leute auch einfach versuchen, sich noch neben einem auf die Liege zu quetschen ;)

Meine Lieblingsbeschäftigung im Zug - wenn es nicht zu sehr ruckelt ;)

Aus den Gittern heraus fotografiert

Indisches "Bord Bistro" ;)

Und so "schläft" man dann abends - gestapelt ohne Ende!

Am Ende unseres Ausflugs sind Philipp sowie ich leider böse krank geworden, also war die Rückreise in diesem rollenden Käfig leider nicht mehr so witzig, wie die Hinreise, auf der wir auch schön die indische Natur im Vorbeirollen beobachten konnten.
Wenn ich in mein Notizbuch sehe, finde ich darüber folgende Aufzeichnungen :

“Wolkenberge auf hellblauem Himmel über roten Erdhängen und gelben Flüssen. Dieses Land leuchtet im Licht wie die Kleider der indischen Frauen!”

Die Farben hier sind wirklich ganz andere. Rot, Grün, Blau und schwarze Menschen dazwischen, die Vögel weiß und seidig, als wären sie aus Nebel, dass Wasser undurchsichtig, sandig.
Die Pflanzen, so merkwürdig anders, ruhige, schnaufende Büffel dazwischen, mit langen, gewaltig gebogenen Hörnen, schwarz, langhaarig, mit flachen Köpfen, gar nicht zu vergleichen mit unseren Kühen. Dazu sieht man auch allerlei Straßenhunde, die über die Gleise rennen und den Müll holen, Schweine, in ganzen Familien, einige magere Katzen, Hühner und Ziegen und alles findet seinen Platz irgendwie. Leute laufen achtlos auf den Gleisen rum, spucken in die Gegend, schleppen drei Koffer und fünf Kinder gleichzeitig und das in einem bodenlangen Seidengwand – Indien, du bist manchmal ganz schön lächerlich, denke ich mir. Aber irgendwie genau deswegen auch so liebenswert.

Als wir wiedergekommen sind, hatten wir ein interessantes meeting mit einigen Leuten unserer Organisation, die ein sehr gutes und umfangreiches Projekt zur grundlegenden Gesundheitsversorgung der Einwohner Rasoolpuras planen. Zur Zeit arbeiten wir deshalb an einer Studie, die auf einer Umfrage basiert, wobei wir von Haus zu Haus ziehen, Daten und Kontaktnummern sammeln, herausfinden, was die Leute eigentlich gebrauchen, was ihre Ausgaben sind, etc. Auf diesen Daten basierend, wollen wir dann ein Programm entwerfen, wobei wir mit Krankenhäusern und freiwillig arbeitenden Ärzten zusammenarbeiten, um dauerhaft Medikamente, Aufklärung, grundlegende Versorgung und Versorgung für Menschen mit speziellen Bedürfnissen anbzubieten können. Ich denke, dieses Projekt ist sehr ambitioniert aber auch sehr notwendig.
Ich werde beizeiten ausführlicher darüber schreiben!
Des Weiteren ist ein Sportprojekt geplant, um der sehr jungen Bevölkerung des Slums etwas Abwechslung in ihrem anstrengenden Alltag anzubieten, aber auch, damit sie lernen, wie man fair interagiert, was ein Wettbewerb bedeutet und natürlich, um Spaß zu haben :)
Der nächste Schritt soll dann sein, regelmäßig Spiele zwischen den High Schools und neu etablierten Sportgruppen zu veranstalten. Auch das ist gerade in Planung und Philipp und ich sind daran beteiligt.
Außerdem wurden wir mehr oder wenger beauftragt, dass neue T-Shirt Design für Bhumi zu entwerfen. Gar nicht so einfach, kreativ zu sein auf Abruf! Das schwierigste ist, einen neuen Slogan zu entwickeln. Aber auch daran sitzen wir also gerade.
Nebenbei passieren natürlich auch noch viele andere Dinge, dass Children's Parliament läuft natürlich immer noch, und am 14. November, dem Tag der Kinder, ist ein Fest geplant, da das CP ein Jahr alt wird. Dazu kommt ein Medical Camp, wo kostenlos generelle medizinische Check-ups für alle Slumbewohner angeboten werden, zudem ist ein Bhumi Malwettbewerb in einer shopping mall geplant, um Leute auf Bhumis Arbeit aufmerksam zu machen.
Dazu hat uns Lindsay gebeten, auf einer weiteren Charity Veranstaltung teilzunehmen, die auch wegen des Tages des Kinder gehalten wird, wo ein indischer Künstler zusammen mit Kindern eine Tempelwand bemalt und wir sollen zur Betreuung eingesetzt werden.
Ihr seht, Arbeit gibt es irgenwie immer!

Dann hatte ich natürlich auch noch Geburtstag am 3.11 – 20 werden in Indien ist schon eine coole Sache :D
Ich wurde am Umbruch des 2. plötzlich mit einer massiven Schokoladentorte überrascht, es gab 20 Raketen auf dem Hausdach für mich und allerlei nette Geschenke – unter anderem Schmuck, einen Thermosbecher von meinem indischen Lieblingscaffee mit meiner Lieblingsschokolade gefüllt, sowie ein Puja-Set und einen sehr hübschen Shiva, für den ich mir jetzt noch einen kleinen Schrein kaufen muss, damit ich morgens ganz offiziell meine Götter herbeiklingeln kann ;)
Am selben Tag wurde ich im bereits genannten Caffee von einer weiteren Schokoladentorte überrascht, sowie von Geburtstagsgrüßen des ganzen Personals. Davor waren wir den ganzen Tag im Zoo Hyderabads, der sehr schön und sehr groß ist, danach waren wir noch im berühmten und – asbolut wunderschönen! - Birla Mandir Tempel, der aus weißem Mamor geschlagen ist und einfach nur Ruhe ausstrahlt, und danach haben wir natürlich noch gut gegessen :)

Überaschung :)

Lindsay und ich schlender durch den Zoo

Dieser Schönheit durften wir beim Planschen zugucken

Und den dreien beim Sonnen ;)

Danach waren wir noch im Reptilienhaus

Dann habe ich natürlich auch noch fleißig geskypt und geschrieben und Briefe gelesen, die sogar pünktlich angekommen sind. Vielen Dank nochmal für all die lieben Grüße, ohne sie wäre mein Tag nur halb so schön gewesen.

Kaum zwei Tage später war dann auch schon Diwali, das große Fest der Lichter hier in ganz Indien. Ist fast wie zwei Tage Silvester! Wir haben eine Puja abends in unserem Haus gehalten, nach dem wir mit Blut und Tränen einen Tag lang unser ganzes, verdrecktes riesiges Steinhaus geputzt haben!! Als dann alles schön sauber war, Türmatten angeschafft wurden und Schuhe sowie diverse Tiere drinnen verboten wurden, haben wir dann einen Richtung Osten guckenden Lakshmi-Schrein etabliert und jetzt wird alle drei Festtage fleißig um den Segen der schönen, Geld werfenden Göttin gebeten ;)
Chandus und Pareshs Eltern sowie einige weitere Verwandten haben uns dabei begleitet und mit uns zusammen die Puja, Essen und das Feuerwerk genossen. Unsere eigene kleine Diwali-Party :)

Pareshs Mutter bereitet den Lakshmi-Schrein vor (sie malt mit buntem Sand)

So sieht er also vollendet aus - unser neuer Hausschrein, gen Osten blickend. Der Göttin werden Süßigkeiten (die Box links) angeboten, sowie Räucherstäbchen und Blumen, Reispuffer, ein Scheck (Göttin des Glücks, auch finanziell), links der Teller mit dem Pulver für den Bindi (das dritte Auge, der Punkt auf der Stirn), geziert von den Dias (Lichtern aus Tonschälchen, Öl und Baumwollfäden), die auch Türrahmen, Treppenaufgang und Tor zieren - die Haustür muss offen bleiben, damit die Göttin auch reinkommen kann ;)

Chandus Mutter und ich haben die Lichter verteilt

Und jetzt, da wir alles schön sauber halten, ist unser Haus sogar richtig nett! (Obwohl man sich an indische Putzweisen wirklich noch gewöhnen muss – Kerblech sind die Hände und der Besen ist aus Reisig...)

So, das ist jetzt mal viel Erlebtes kurz gefasst, das nächste Mal versuche ich wieder, früher zu schreiben. 
Ich denke auch, die Bilder sprechen für sich :)
Ach ja: Viele Bilder, die ich hier zeige (meist die, auf denen ich drauf bin, logischerweise!), habe nicht ich gemacht. Entweder sind sie von Philipp, oder von jemand anderem, der seine Kamera benutzt hat, manche sind von mir mit meiner oder auch seiner Kamera, es ist also ganz kunterbunt gemischt und ich schreibe nicht jedes Mal dazu, welche Bilder jetzt von wem sind, das wäre zu umständlich!

Und jetzt grüße ich alle ganz lieb aus dem schon irgendwie kühler werdenden Hyderabad,
alles Liebe
euere Tanni